Geschlossene Fonds: Wohin die Kröten wandern

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Wirtschaftsminister Brüderle und Finanzminister Schäuble diskutierten über den grauen Kapitalmarkt. Genau gesagt über geschlossene Fonds: Herr Schäuble wollte geschlossene Fonds nur noch über Banken oder Finanzdienstleister mit KWG-Zulassung verkauft wissen. Herr Brüderle, der sich augenscheinlich durchsetzen konnte, möchte dem Anleger die Vielfalt der Anbieter von Finanzdienstleistungen erhalten. Beide diskutierten dabei am eigentlichen Problem vorbei. Denn für den Anleger ist nicht entscheidend, bei wem er schlechte Ware kaufen kann.  Entscheidend ist vielmehr, dass die schlechte Ware erst gar nicht auf den Markt kommen kann. Betrachtet man den Beteiligungsmarkt differenziert, gibt es eine kleine schwarze und eine kleine weiße Randzone sowie eine großes graues Mittelfeld mit Tendenz in die eine oder andere Richtung. Die Produkte, die der schwarzen Zone entspringen, verfolgen kein Anlegerinteresse. Hier passiert Kapitalanlagebetrug, der anschließend Stoff für Fernsehfilme liefert. In der weißen Zone werden geschlossene Fonds konzipiert, die eine Win-Win-Situation verfolgen. Der Anleger soll ein interessantes Investment erhalten und der Anbieter muss gleichzeitig für seine Dienste entlohnt werden. Wirtschaftliche Risiken existieren – aber konzeptionelle Abzockerrisiken liegen nicht vor.  
Anleger sollten vor der schwarzen Randzone und dem dunkelgrauen Teil des Marktes geschützt werden. Um zu verhindern, dass diese Fonds auf den Markt kommen, müsste eine Prüfinstanz wie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Produkte auf Herz und Nieren prüfen und bei Nichtbestehen den Vertrieb untersagen. Doch der Prüfprozess wäre aufwendig. Viel Personal, Zeit und Know-how wären notwendig. Und schlussendlich bliebe ein Haftungsrisiko bei der BaFin für genehmigte Fonds, die sich dann negativ entwickeln. Deshalb wird es so weit wohl leider nicht kommen. Die Folge: Der Vermittler ist weiterhin die wichtigste Analyse-Stelle, die den Prospekt eines geschlossenen Fonds auf wirtschaftliche Tragfähigkeit und Plausibilität prüfen muss. Das klappt aber nicht immer. Häufig wird dem Vertrieb vom Initiator eine „Story“ verkauft. Und die wird dann vom Vertrieb zum Anleger transportiert. Doch Storys vernebeln den Blick für das Wesentliche, die Zahlen. Und Vertriebsstorys gibt es auch im Jahr 2010. Dazu zählen „grüne Investments“ und „reduzierte Weichkosten“. Grün, ethisch, ökologisch verkauft sich gut. Und niedrige Kosten treffen ebenfalls den Nerv der Zeit. Aber halten die Zahlen, was die Storys versprechen? Betrachten wir zwei Beispiele aus der aktuellen Fondswelt. Nachhaltig und energieeffizient gebaute Immobilien haben für Investoren und Mieter ökonomische Vorteile. So die Werbung für einen „grünen“ Immobilienfonds. Was gut für die Umwelt ist, ist auch gut für ein Investment. So die Botschaft. Ein Blick in das Zahlenwerk des Emissionsprospektes zeigt folgendes Bild: Von 10 Millionen Euro Fondsvolumen inklusive Agio werden rund 7,79 Millionen Euro für den Kaufpreis benötigt: Ein magerer Substanzwert. Der Rest wird von harten und weichen Kosten geschluckt.