Geschlossene Immobilienfonds: Steine statt Scheine

Quelle: Fotolia

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Das Jahrzehnt ist verloren. Bis Ende 2009 büßte der Dax 14,4 Prozent ein, mit 16 der derzeit im deutschen Leitindex vertretenen Aktien schaffte es gerade gut die Hälfte ins Plus. Ganz anders geschlossene Immobilienfonds: Vom Hamburger Analysehaus Fondsmedia untersuchte Immobilienfonds haben eine überragende Erfolgsquote von fast 93 Prozent. Das heißt: Mit mehr als neun von zehn Fonds haben Anleger Geld verdient, im Schnitt 6,8 Prozent jährlich. Fonds, die ab dem Jahr 2000 auf den Markt gekommen sind, konnten dabei mit durchschnittlichen 8,8 Prozent den höchsten Zuwachs pro Jahr erzielen.

„Aufgrund der Finanzkrise kommt der Frage, inwieweit der Sachwert Immobilie bislang eine nachhaltige Vermögensmehrung auf Anlegerebene sichergestellt hat, eine zentrale Bedeutung zu“, kommentiert Fondsmedia-Chef Peter Kastell seine Untersuchung von 349 Fonds und zieht den Schluss: „Sofern Immobilienfonds überwiegend einen Kapitalüberschuss erbracht haben, stellen sie gerade heute eine konservative Sachwertinvestition mit Qualifikation für die langfristige Altersvorsorge dar.“
Spekulanten bleiben außen vor

Auf den Vorteil von Sachwerten im Portfolio weist auch Franz-Joseph Busse hin. Der Professor an der Münchner Hochschule für Angewandte Wissenschaften ist überzeugt: „Sachwerte bringen Ruhe in jedes Portfolio.“ Jürgen Raeke, Leiter Private Banking bei der Hamburger Privatbank Berenberg, hat dafür eine einfache Erklärung: „Bei Sachwerten bleiben Spekulanten außen vor.“ Das trifft naturgemäß insbesondere auf Sachwerte zu, die dem Anleger allein gehören – wie etwa eine Wohnung, ein Haus oder ein Grundstück. Es gilt aber auch für alle anderen Sachwerte wie Immobilien, Schiffe, Wälder und Äcker, die nicht an einer Börse gehandelt werden.

Klassiker unter den Sachwerten

Raeke empfiehlt Privatanlegern daher: „Schon im Vorfeld der Portfolio-Allokation sollten Anleger eine grundsätzliche Aufteilung vornehmen und den Anteil am Portfolio bestimmen, der wirklich langfristig zur Verfügung steht.“ Dieser sollte dann in Sachwerte fließen – und Klassiker unter den Sachwerten ist die Immobilie. „Für Sachkapitalinvestitionen kommt Immobilien eine besondere Rolle zu, weil sie ein wesentlicher Teil des volkswirtschaftlichen Sachvermögens sind“, heißt es in einer aktuellen Studie des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts.

Wer sich allerdings selbst eine Immobilie als Investment kaufen will, muss sich zunächst erhebliches Wissen aneignen, um ein geeignetes Objekt zu finden. Er muss das Haus verwalten und in Schuss halten.  Zudem scheitert der Kauf eines Zinshauses oft am Preis.

Das Argument, durch ein Haus oder eine Eigentumswohnung sei der Immobilienanteil am Vermögen bereits hinreichend groß, lassen Branchenexperten nicht gelten. „Die Eigenheimquote in Deutschland ist die niedrigste in ganz Europa“, sagt Klaus Fickert, Geschäftsführer bei König & Cie. „Zudem ist es rein rechnerisch häufig eher uninteressant, ein Eigenheim zu besitzen.“ Marco Ambrosius von der Düsseldorfer Ideen kapital ergänzt: „Dieses Zuhause handelt man nicht täglich an der Börse oder nimmt Quartals- oder Jahresbewertungen vor. In der Regel nutzt man es, hält es in Ordnung und vererbt es an seine Kinder.“ Für Eigenheimbesitzer sei ein Immobilieninvestment daher genauso sinnvoll wie für Menschen ohne Haus: „Als stabilisierende und weitgehend inflationssichere Beimischung der Vermögensanlage führt kein Weg an der Immobilie vorbei.“