Gesundheitssektor Maßgeschneiderte Medikamente haben Blockbuster-Potenzial

Dr. Christian Lach, Portfolio Manager des BB Adamant Biotech (Lux) und Stefan Blum, Portfolio Manager des BB Adamant Medtech (Lux).

Dr. Christian Lach, Portfolio Manager des BB Adamant Biotech (Lux) und Stefan Blum, Portfolio Manager des BB Adamant Medtech (Lux).

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Krebstherapien, die bei bestimmten Patientengruppen ansprechen, und Medikamente, die erblich bedingte Krankheiten dauerhaft heilen lassen, waren lange Zeit eine Zukunftsvision. Durch die Fortschritte in der personalisierten Medizin dürfte dies jedoch in den kommenden Jahren Realität werden. Neue Verfahren in der molekularen Diagnostik sind der Schlüssel für diese Entwicklung. Nutznießer dieser medizinischen Fortschritte sind vor allem die Entwicklungspipelines der Biotechunternehmen. Die teilweise kräftigen Kursgewinne von Firmen, die in diesem Bereich klinische Erfolge feierten, untermauern das Renditepotenzial.

Die neuen Erkenntnisse erlauben neue Ansätze in zahlreichen Krankheitsfeldern. Dazu zählen antibakterielle Wirkstoffe und antivirale Therapien zur Behandlung von Hepatitis C. Ein weiteres Feld sind Gentherapien gegen erblich bedingte Stoffwechselerkrankungen. Haben diese klinischen Kandidaten ihr besseres Wirkprofil bewiesen, stehen die Chancen gut, dass sie wegen des hohen medizinischen Bedarfs den Breakthrough Status und damit den Vorteil eines beschleunigten Zulassungsverfahrens erhalten.

Körpereigene Krebskiller

Das weiteste Feld für die personalisierte Medizin findet sich in der Onkologie, die inzwischen mehr als 200 Krebsarten unterscheidet. Die größten klinischen Fortschritte verzeichnete zuletzt die Immunonkologie. Dabei wird das körpereigene Immunsystem mobilisiert, Tumorzellen zu erkennen und auszuschalten. Angriffspunkt sind genau die Moleküle, die es Krebszellen ermöglichen, sich der Erkennung und dem Angriff durch das Immunsystem zu entziehen. Pionier in diesem Feld war die Biotechfirma Medarex. Sie verhalf nach ihrer Übernahme dem Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb zu einem Höhenflug und einer führenden Position auf diesem Gebiet.

Ebenfalls in der Entwicklung befindet sich ein neuer Gentherapie-Ansatz auf der Grundlage der sogenannten Chimärischen Antigenrezeptoren-T-Zellen (CAR-T). Vereinfacht gesprochen werden dabei den Patienten T-Zellen entnommen und in Kombination mit Gentherapie auf geeignete Angriffspunkte – sprich Antigene – programmiert. Danach werden sie im Labor vermehrt und den Patienten per Infusion verabreicht. Die „aufgeladenen“ T-Zellen erkennen dann die Tumorzellen und greifen diese an. Darüber hinaus stehen neue Ansätze zur therapeutischen Impfung bereit, die eine körpereigene Immunantwort verstärken sollen.

Theranostik beschleunigt klinische Tests

Der Erfolg der personalisierten Medizin hängt auch davon ab, wie sich Therapiedaten über die gesamte Behandlungsdauer systematisch auswerten lassen. Dazu zählt die Theranostik, also die Überwachung der Behandlung im Hinblick auf Erfolg und Nebenwirkungen. Etabliert hat sich hier das US-Unternehmen Foundation Medicine. Der Labordienstleister arbeitet eng mit Arzneimittelherstellern zusammen und hat allein 2014 mehr als 24.000 klinische Auswertungen vorgenommen. Die Testergebnisse sind nicht nur für die Patienten von höchstem Wert, sondern auch für Pharma- und Biotechunternehmen. Entdeckte Mutationsmuster können Anhaltspunkte für die Entwicklung von neuen Medikamenten geben. Durch die zu erwartende verstärkte Regulierung von Diagnosetests wird Foundation Medicine seine qualitativ führende Rolle ausspielen. Mit dem Erwerb der Aktienmehrheit durch Partner Roche ist das Aufwärtspotenzial für den Aktienkurs inzwischen beschränkt. Eine gute Alternative unter den Labordienstleistern ist LabCorp. Das Datenmaterial der US-Firma umfasst sämtliche Informationen zu allen Tests, die bei einzelnen Unternehmen durchgeführt wurden.

Milliardenmarkt Gensequenzierung

Die Erkenntnisse innerhalb der personalisierten Medizin sind den Fortschritten in der Gensequenzierung zu verdanken. Illumina ist der unangefochtene Marktführer für die bereits installierte Basis an Analysegeräten für Forschung und Medizin in der Gensequenzierung. Geräte und Laborausrüstung für die molekulare Diagnose von Erkrankungen sind ein weiteres Wachstumsfeld mit Absatzmärkten in allen Bereichen der Gesundheitsbranche. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs in der Diagnostik werden sich langfristig die Unternehmen am Markt behaupten, die in den Kategorien Größe und Automatisierung dominieren. Produkte müssen sowohl in der Klinik als auch im Zentrallabor gleich gut anwendbar sein.

Einen spannenden Markt für die Zukunft verspricht die Diagnostik von zirkulierenden Tumorzellen (CTC) und von T-Zellen-Antworten. Oxford Immunotec konzentriert sich hier auf die T-Zellen-Diagnostik. In der Entwicklungspipeline finden sich neue Testsysteme. Diese können auch für die Anwendung von Medikamenten der Immunonkologie interessant sein, welche sich gerade in der klinischen Entwicklung befinden. Stratec Biomedical entwickelt ein Diagnostikgerät für ein Pharmaunternehmen, mit dem zirkulierende Tumorzellen aus einer Blutprobe herausgefiltert, quantifiziert und für die Gensequenzierung bereitgestellt werden können.

Unternehmen, deren Analysesysteme vererbte Krankheiten diagnostizieren, weisen dagegen wenig Wachstumspotenzial auf. Dieser Bereich entwickelt sich zum Massenmarkt, der unter einem rasanten Preisverfall leiden wird.

Timing ist wichtiger als Patentlaufzeit

Wer auf Biotechnologie und Medizintechnik setzt, muss seine Investments in verschiedene Bereiche streuen. Wichtigste Investmentkriterien sind der wissenschaftliche Gehalt des Ansatzes, die Güte der klinischen Daten, die Qualität des Managements und eine attraktive Bewertung. Das Timing für den Ein- und Ausstieg ist angesichts des sich verschärfenden Wettbewerbs wichtiger als die Laufzeit von Patenten. Fonds bieten gegenüber Einzelinvestments das eindeutig bessere Chance-Risiko-Profil und einen Mehrwert für die Anleger.

Investoren dürfen in diesem Markt ihre Anlageentscheidung nicht nur isoliert auf die klinischen Daten abstützen, sondern müssen die Vermarktung und das Wettbewerbsumfeld genau im Auge behalten. Als Faustregel gilt es, mehrere Firmen zu berücksichtigen. So setzen Bluebird, Kite und Intrexon verschiedene Technologien ein. Wer am Ende das Rennen machen wird, ist noch völlig offen. Das Marktpotenzial hängt nicht nur von der Wirksamkeit ab, sondern auch von der Verträglichkeit der Substanzen sowie den technischen Anforderungen für ihre Produktion. Anleger können mit stärkeren Engagements noch abwarten, bis klar wird, wie groß der Markt wird und wer eine führende Rolle spielen wird.