Gewinnmitnahmen bei Big Pharma, Pech mit VW Fonds-Klassiker im Check-Up: Fidelity European Growth

Matt Siddle, Manager des Fidelity European Growth

Matt Siddle, Manager des Fidelity European Growth

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1. Der Konkurrenz-Vergleich

Exakt 25 Jahre ist es her, dass die US-Gesellschaft Fidelity von Großbritannien aus den Sprung auf den deutschen Markt wagte. Am 1. Oktober 1990 legte sie in Luxemburg eine Familie aus insgesamt 18 Aktien- und Rentenfonds auf, von denen drei in diesem Zeitraum einen Wertzuwachs von mehr als 1.000 Prozent schafften: Fidelity Greater China (plus 2.020 Prozent), Fidelity Nordic (plus 1.350 Prozent) und Fidelity Iberia (plus 1.070 Prozent).

Dagegen nimmt sich der Zuwachs des zeitgleich gestarteten Fidelity European Growth mit 895 Prozent fast schon bescheiden aus. Und doch, im Vergleich zu anderen, damals hierzulande erhältlichen europäischen Aktienfonds bleibt dieses Ergebnis rekordverdächtig: So kommt etwa der Arideka der Sparkassen lediglich auf 250 Prozent, der DWS Eurovesta auf 350 Prozent und der Industria von Allianz GI auf 375 Prozent. In erster Linie ein Verdienst des damaligen Fidelity-Starmanagers Anthony Bolton, der den Fonds bis 2002 betreute und in diesen zwölf Jahren mit klugem Stockpicking und einem hohen Anteil an Nebenwerten der Konkurrenz davonzog.

Danach wuchs zwar das Volumen auf zeitweise bis zu 24 Milliarden Euro, doch in punkto Outperformance tut sich nicht mehr viel. Matt Siddle ist nach Graham Clapp (2003 bis 2006) und Alexander Scurlock (2007 bis Mitte 2012) der dritte Manager, der das ändern soll. Wie austauschbar das einstige Flaggschiff im Laufe der Jahre geworden ist, zeigt der aktuelle Fünf-Jahres-Vergleich: Dort läuft der Fidelity European Growth nahezu parallel mit seiner FWW-Gruppe Aktienfonds All Cap Europa und belegt dort unter 245 Vergleichsfonds nur Rang 158.


Quelle: FWW Fundservices GmbH

Auch im für Siddle relevanten Drei-Jahres-Vergleich ändert sich an diesem Bild nicht wirklich etwas. Dabei hat dieser nach seinem Amtsantritt im Juli 2012 durchaus einiges unternommen, um sich von der Konkurrenz wieder nach oben abzusetzen. So reduzierte er in den ersten sechs Monaten die Zahl der enthaltenen Unternehmen von 86 auf 68 und verschob den Fokus von eher zyklischen Unternehmen auf Firmen, die einen konstant hohen Cashflow erzielen. Versorger und Telekom-Firmen spielen seither im Fidelity European Growth so gut wie keine Rolle mehr, und Finanzdienstleister sind genauso untergewichtet wie Unternehmen aus dem Rohstoff-Sektor. Auf Länderebene legt Siddle einen Schwerpunkt auf britische und französische Firmen, die mit ihren Produkten einen weltweiten Markt bedienen.


Quelle: FWW Fundservices GmbH

Über zwölf Monate kann sich der Fidelity European Growth zunächst leicht von seiner Vergleichsgruppe absetzen, verliert aber seit Juni wieder an Boden – unter anderem eine Folge der aktuellen China-Phobie vieler Investoren, die Aktien von Firmen mit hohen Geschäftsanteilen in Fernost seit einigen Monaten gnadenlos abstrafen (siehe Interview).

Letztlich verweist Siddle darauf, dass er seine Outperformance bei anderen Produkten meistens in einem eher schwachen Marktumfeld erzielt hat – unter anderem beim Fidelity European Larger Companies, den er im Oktober 2010 übernahm und bis heute parallel weiterführt. In diesem Zeitraum holte er 22 Prozentpunkte mehr heraus als der Vergleichsindex MSCI Europe und schlug mehr als 90 Prozent seiner Wettbewerber. Der Beweis, dass er mit dem rund achtmal größeren Fidelity European Growth an diese Erfolgsgeschichte anknüpfen kann, steht allerdings bis auf weiteres aus.


Quelle: FWW Fundservices GmbH