Globaler Anlageausblick von BlackRock „Risiken lohnen sich weniger“

Skispringer Alessandro Pittin beim Weltcup der Nordischen Kombination in Ramsau am Dachstein, Österreich: Mit engeren Spreads nehmen die Risiken an den Anleihemärkten überproportional zu. | © Getty Images

Skispringer Alessandro Pittin beim Weltcup der Nordischen Kombination in Ramsau am Dachstein, Österreich: Mit engeren Spreads nehmen die Risiken an den Anleihemärkten überproportional zu. Foto: Getty Images

2017 war für die meisten Anleger ein gutes Jahr. In den Euro-Ländern wuchs die Wirtschaft so schnell wie seit 2011 nicht mehr, und in Schwellenländern schien sich die Konjunktur selbst zu tragen – obwohl Chinas Wirtschaftsmotor langsamer lief. In rund 80 Prozent der Länder ging es im verarbeitenden Gewerbe bergauf.

Der Pferdefuß? Wie die nachfolgende Grafik zeigt, haben die Konsenserwartungen für das Wachstum in den G7-Volkswirtschaften weitgehend zu unserem BlackRock Macro GPS aufgeschlossen. Da kaum noch ein Unterschied zwischen unseren und den Konsenserwartungen besteht, ist die Aufholjagd an den Finanzmärkten im Wesentlichen vorbei.

Wir von BlackRock erwarten dennoch ein sehr beständiges Wachstum der Weltwirtschaft. In Verbindung mit einer weiterhin verhaltenen Inflation und niedrigen Zinsen verheißt das Gutes für Risikoanlagen, deren Erträge allerdings im Jahr 2018 nicht mehr so reichlich sprudeln dürften wie bisher.

Anleihen: Auf Bonität achten

Bei Anleihen flachen die Renditekurven angeführt von den USA ab. Dieses Phänomen tritt für gewöhnlich gegen Ende eines Zyklus auf. Wir leben jedoch in ungewöhnlichen Zeiten. Niedrige Wachstums- und Inflationserwartungen und das unstillbare Verlangen der Investoren nach Erträgen halten die Renditen rund um den Globus niedrig. Auf Sicherheit bedachte Anleger werden aus unserer Sicht auch weiterhin Anleihen aus Industriestaaten nachjagen – und damit für Zinsen weit unterhalb des langjährigen Durchschnitts sorgen.

Die aktuell flache Renditekurve von Anleihen sehen wir bei BlackRock nicht als Vorbote einer düsteren Zukunft. Unsere Analysen legen vielmehr nahe, dass die Abflachung der US-Renditekurve nicht mehr allein mit niedrigeren Inflationserwartungen zu erklären ist. Die in anderen Ländern lockerere Geldpolitik und hohe Ersparnisse auf der Suche nach lukrativen Anlagen spielen ebenfalls eine Rolle. Aber vor allem steigende Kurzfristzinsen in Erwartung von Zinsschritten der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) haben die Abflachung bewirkt nicht etwa sinkende Zinsen am langen Ende als Reaktion auf Wachstums- und Inflationssorgen.

Die weltweite Suche nach Rendite treibt viele Anleiheinvestoren in unbekanntes Terrain. Viele haben sich, getrieben von Negativzinsen in Industrieländern und mickrigen Renditen aus sogenannten sicheren Häfen riskanteren Titeln zugewandt. Einige wagen sich in Anlageklassen abseits von Anleihen vor und probieren nicht nur Dividendenaktien, sondern auch Aktienverkaufsoptionen aus. Diese Strategien bieten außergewöhnlich hohe risikobereinigte Renditen. Das hat vor allem mit der erstaunlich niedrigen realisierten Volatilität zu tun.

Erfolgreich Anlegen ist im Anleihesektor nicht schwer, wenn man schon für niedriges Risiko fürstlich belohnt wird. Das ist derzeit an den globalen Kreditmärkten der Fall. Aber mit engeren Spreads nehmen die mit diesen Strategien verbundenen Risiken überproportional zu. Eine Anlage in höher verzinsliche, aber häufig illiquide Unternehmensanleihen und der Verkauf von Optionen kann zum Selbstläufer werden, der die bereits niedrige Volatilität weiter sinken lässt. Aber auch in die Gegenrichtung wirkt dieses Zusammenspiel verstärkend. Wir raten daher zu Anlagen mit besserer Bonität und zu ausreichend Liquidität.