Globaler Marktausblick Trotz Ungewissheit reelle Chancen

Südkoreas neuer Präsident Moon Jae-in: Aussicht auf politische Stabilität und kräftiges Wirtschaftswachstum.  | © Getty Images

Südkoreas neuer Präsident Moon Jae-in: Aussicht auf politische Stabilität und kräftiges Wirtschaftswachstum. Foto: Getty Images

Globale Aktien erzielten im zweiten Quartal 2017 solide Zuwächse und krönten damit ein starkes erstes Halbjahr und einen ähnlich starken Einjahreszeitraum. Aktien der Industrieländer und der Schwellenländer profitierten von robusten Unternehmensgewinnen, reichlich vorhandener Liquidität und einem breiten Wachstum in den meisten Regionen und Sektoren.

Zu Beginn des zweiten Halbjahres spiegeln die Märkte einen eher vorsichtigen Optimismus. Die experimentelle Geldpolitik der Zentralbanken weltweit hat eine Aufwertung globaler Aktienkurse ausgelöst. Als Nebeneffekt zeigt sich jedoch eine gefährliche Abhängigkeit von Anreizmaßnahmen zur Erzielung immer höherer Marktrenditen. Dies könnte Herausforderungen für die künftige Aktienmarktentwicklung mit sich bringen, wenn sich die großen Zentralbanken allmählich daran machen, ihre außerordentlich lockere Geldpolitik zu normalisieren: Die hohen Aktienbewertungen und der Wechsel in der Geldpolitik der Zentralbanken könnten zu Volatilitätsschüben führen.

Im aktuellen Umfeld sollten die Anleger  unserer Ansicht nach nicht wahllos Aktien kaufen. Wir sehen an bestimmten Märkten und in bestimmten Sektoren weltweit vereinzelt attraktive Chancen. Wir sind davon überzeugt, dass dies ein Umfeld ist, in dem Bewertungsdisziplin und aktives Risikomanagement langfristig belohnt werden.

Chinas Jahr der Stille

Die jüngsten Maßnahmen der chinesischen Regierung zur Eindämmung der Kreditschöpfung und fiskalische Anreize zur Vermeidung einer größeren Konjunkturverlangsamung scheinen stetig voranzukommen. Wir rechnen damit, dass dieser Trend im Vorfeld der 19. Versammlung des Nationalen Volkskongresses im Herbst, auf der Präsident Xi Jinping seine Machtstellung weiter zementieren dürfte, weiter anhält.

Dennoch können wir die beträchtlichen, ungelösten Risiken überhöhter Kreditbestände nicht ignorieren. Entstanden sind die Schulden durch einen Investitionsboom, der zu Überkapazitäten in den Sektoren Immobilien und Industrie geführt hat. Falls sich die Konjunktur in China zu stark verlangsamt, dürfte das Land seine jüngeren Reformen verschieben und auf frühere Maßnahmen zur Wachstumssteigerung zurückgreifen.

Die Probleme Chinas sind bestens bekannt. Den anfälligen und intransparenten Bankensektor haben wir ebenso wie staatliche Unternehmen und den durch Überangebot geprägten Industriekomplex weitgehend gemieden. Wir sehen Wertchancen in Unternehmen mit unterschätztem Wachstumspotenzial vorrangig in den Sektoren Gesundheitswesen, Versicherungen und Informationstechnologie. Unternehmen im Telekommunikationssektor, bei denen es eine Kombination aus günstiger Bewertung und hohem freien Cashflow gibt, erscheinen uns ebenfalls aussichtsreich.