Glosse Wo Sie jetzt noch investieren sollten ... unbedingt, vielleicht

Top-Investment der Zukunft: Kleine Menschen mit Windeln. | © Unsplash.com/Sadik Kuzu

Top-Investment der Zukunft: Kleine Menschen mit Windeln. Foto: Unsplash.com/Sadik Kuzu

Jetzt also Bitcoin. Anleger peitschen die künstliche Krypto-Währung in neue Höhen. Und langsam frage ich mich, wo Investoren noch hingehen können, um aus ihrem Geld mehr Geld zu machen. Einfach ist es nicht mehr. Auf Schmuck-, Kunst- und Auto-Auktionen stromern sie seit Jahren herum. Also ist man nirgendwo noch sicher?

Doch. Hier. Noch. Die folgenden drei Segmente sind noch unbehelligt und bieten dabei enorme, ja, gigantische Gewinnmöglichkeiten.

Kompost

Warum immer nur Mist reden, wenn man ihn auch machen kann. In einer Welt, in der Wachstum knapp ist, ist ein ordentlicher Komposthaufen das Mittel der Stunde. Hier dampft es, tummeln sich die Schmeißfliegen, buddeln die Regenwürmer und später wächst was drauf. Mehr als einem manchmal lieb ist.

Und so könnte es gehen: Investoren schließen sich zusammen, bauen Kompostieranlagen und sammeln vormittags in den Großstadtbüros die vollen Kaffeefilter und den Bullshit aus den Morgensitzungen ein. Den daraus entstehenden Quality-Mist verkaufen sie gegen Euro oder Shitcoin an Bauern. Oder sie schließen eine Wette auf die Zukunft ab: Sie verpachten den Haufen und lassen sich später wahlweise in Broten, Kartoffeln oder Bio-Sprit auszahlen. Für höhere Gewinnmargen empfiehlt sich Hanf.

Babys

Mediziner sprechen auch vom Start-up des Lebens. Babys sind quasi die Urform des Adventure Capitals. Die ultimative Wette auf den Jackpot. Wird das Baby später Rockstar, Gangsterboss oder Zentralbankchef, hat man den Hauptgewinn. Eine leicht geringere, dafür aber stetige Rendite versprechen Ärzte, Anwälte und Politiker. Endet das Objekt als Junkie am Hauptbahnhof Frankfurt oder als Journalist, ist die Investition fehlgeschlagen. Eindeutig.

Und so könnte es gehen: Anleger wählen in einer Gegenüberstellung eine schwangere Frau aus und beginnen zu investieren. Zunächst in Essen, Trinken, Windeln und später in Schulbücher, Pausenbrote, Nachhilfe, Zigaretten und Schutzgeld für den Schulhof. Und als Erwachsener zahlt das Kind – je nach Vertrag – 10 bis 20 Prozent seiner Einkünfte an den Investor aus. Die Rechnung ist ganz einfach: Je mehr vorschulische Kurse man finanziert, desto größer sind die Chancen auf Karriere, aber auch die Risiken, in der Klapsmühle zu landen. Ein heißes Spiel für risikofreudige Anleger.

Burnout-Patienten

Angesichts der neuen Leistungsgesellschaft ist es der attraktivste Markt der Zukunft. Echte Burnout-Patienten nennt man auch die Distressed-Securities unter den Menschen. Wenn ein Überarbeiteter in die Klinik muss, beginnt der Anleger zu investieren. Er zahlt die Behandlung und wettet damit auf die Frage, wann der Patient wiederkommt. Und ob er überhaupt wiederkommt.

Der Einsatz ist deutlich geringer als bei einem Baby, schließlich zeigt sich meist schon nach Monaten, ob beim Burnout noch was zu retten ist. Dann hat man gewonnen oder kann das Geld abschreiben. Als Risiko-Overlay empfehlen sich zwischenzeitliche Gehirntests.

Das sind doch tolle Vorschläge für neue Anlageformen. Man muss sich nur mal trauen, sie umzusetzen. Wenn’s doch sonst kaum noch was gibt.