Glow: „Blackrocks eigene Indizes könnten ETF-Branche umkrempeln“

Detlef Glow vom Analysehaus Lipper

Detlef Glow vom Analysehaus Lipper

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Der weltweit größte ETF-Anbieter Blackrock will eigene Indizes als Grundlage für seine börsennotierten Indexfonds in den USA auflegen. Mich wundert, dass der entsprechende Antrag an die Aufsichtsbehörde SEC nicht stärker in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Denn dieser Schritt eines etablierten ETF-Anbieters kann meiner Meinung nach weitreichende Folgen für die gesamte Branche haben.  

Grundsätzlich ist es nicht neu, dass sich ETF-Anbieter oder andere Vermögensverwalter daran versuchen, eigene Indizes aufzulegen. In der Vergangenheit waren es sowohl kleinere Anbieter wie C-Quadrat als auch große wie die Deutsche Bank und die Commerzbank, die wenige Indizes auf sehr spezielle Marktsegmente und Strategien entwickelt haben. Mit dem
weltweiten Marktführer für ETFs drängt jetzt zum ersten Mal ein ernstzunehmender Spieler auf breiter Front in die Bastion der Indexanbieter vor.   

Das Ende eines Oligopols

Welche Folgen könnte dieser Schritt haben? Zum einen macht sich Blackrock durch die Auflage eigener Indizes unabhängiger von der Produktpolitik der Indexanbieter. Die Gesellschaft kann möglicherweise schneller Indizes als Basiswerte für neue ETFs auflegen und damit auf Kundenwünsche reagieren.

Zudem würden sehr wahrscheinlich niedrigere Nutzungskosten für den Index anfallen, wenn es sich dabei um ein hauseigenes Produkt handelt. Dadurch könnte der darauf aufbauende ETF billiger werden, als wenn Lizenzgebühren an einen externen Anbieter anfallen.   

Auf der anderen Seite kann eine etablierte ETF-Gesellschaft mit eigenen Börsenbarometern  den Preisdruck auf die großen Indexanbieter erhöhen. Diese lebten bisher in einer Welt, in der börsennotierte Indexfonds fast unausweichlich auf ihre Dienstleistungen angewiesen waren - und zwar gegen eine zum Teil fürstliche Entlohnung.

Durch das Oligopol, das bei den Indizes vorherrscht, sind deren Anbieter in der Lage, fast jeden Preis durchsetzen zu können. Diese Preise werden letztendlich auf die Gebühren, welche die Investoren zahlen, umgelegt.