Glow: „In einem Punkt muss ich den ETF-Kritikern recht geben…“

Lipper-Experte Detlef Glow

Lipper-Experte Detlef Glow

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Die Anbieter börsennotierter Indexfonds (ETFs) werben seit Jahren damit, dass ihre Produkte einfach, transparent und flexibel seien. Kritiker machen sich seit Monaten verstärkt daran, diese Argumente zu entschärfen.

Aus meiner Sicht gelten sie aber nach wie vor. Und damit bin ich offenbar nicht allein. Denn gerade in schwierigen Marktphasen sehnen sich Anleger nach transparenten und einfach zu verstehenden Anlageinstrumenten in ihren Portfolios. Und in eben diesen Marktphasen verbuchen ETFs meist höhere Mittelzuflüsse als aktiv gemanagte Fonds.

ETFs sind flexibel und transparent


ETFs sind flexibel, weil man sie praktisch jederzeit schnell handeln kann. Dadurch wird es den Investoren ermöglicht, ihre Bestände im Extremfall mehrmals täglich zu jeweils aktuellen Marktpreisen auf und abzubauen. Dabei können sie die Produkte sowohl für Long- als auch Short-Geschäfte nutzen.

Dieses Merkmal ist einer der großen Unterschiede zwischen ETFs und herkömmlichen Investmentfonds. Denn Letztere werden nur einmal täglich von der Kapitalanlagegesellschaft bewertet. Das gilt auch für ETFs. Gleichzeitig werden diese aber, weil sie an der Börse gehandelt werden, untertags fortlaufend von den Marktmachern bepreist.

Gut, es gibt auch einige klassische Investmentfonds, die über die Börse gehandelt werden. Aber bei diesen ist es für die Marktmacher deutlich schwieriger, untertags realistische An- und Verkaufspreise zu stellen. Denn die Portfolios aktiv gemanagter Investmentfonds werden in der Regel nur einmal monatlich veröffentlicht und dann auch meist nur auszugsweise.

Im Gegensatz dazu legen die ETF-Anbieter ihre Portfoliobestände jederzeit komplett offen – wenn nicht im Internet, dann auf Anfrage. Das ist die von den Anbietern gern zitierte Transparenz.

Es kann zwar auch bei ETFs passieren, dass den Marktmachern Fehler bei der Berechnung der Kauf- und Verkaufspreise unterlaufen. Allerdings ist die Toleranz, die der Markt bei Preisabweichungen akzeptiert, sehr gering. Denn in der Regel treten immer dann, wenn die Unterschiede zwischen einzelnen Marktmachern zu groß werden, Marktteilnehmer auf den Plan, um diese Missverhältnisse durch entsprechende Transaktionen für sich zu nutzen.

Dass ETFs transparent und flexibel sind, habe ich damit aus meiner Sicht belegt. Und wie steht es um die Einfachheit? Bei ETFs weiß der Investor, dass er damit rechnen kann, die Wertentwicklung des jeweiligen Index beziehungsweise zugrunde liegenden Marktes zu erhalten. Bei aktiv gemanagten Fonds ist es für ihn nicht so einfach. Denn er weiß nicht, welche Entscheidungen der Manager treffen wird oder ob er den Fonds nicht vielleicht sogar abgeben wird.