Glows Gedanken: Auch bei ETFs ist Wissen gleich Macht

Detlef Glow, Lipper

Detlef Glow, Lipper

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In den vergangenen Tagen überkam mich ein leichtes Erstaunen. Denn wie verschiedene Umfragen gezeigt haben, verzichten viele institutionelle Anleger auf Grund eines fehlenden Verständnisses für börsennotierte Indexfonds (ETF) auf Investments in diese Produkte. Dies ist deshalb so erstaunlich, weil die ETF-Anbieter und Market Maker großen Wert auf die sogenannte „Client Education“ - also die Ausbildung ihrer Kunden - legen.

Die US-Aufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) überprüft gerade die Auswirkungen von Derivaten in Fonds. Bis sie damit fertig ist, wird sie keine Fonds, die Derivate einsetzen wollen, zulassen. Davon sind auch ETFs betroffen, die Hebel- oder Short-Strategien verfolgen. Zudem hat die SEC diese Produkte auf Grund ihrer Komplexität als institutionelle Anlageprodukte eingestuft.

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Doch selbst diese Zielgruppe weiß offenbar nicht, was hinter diesen ETFs steckt: Nach den Ergebnissen einer Studien von Greenwich Associates verstehen viele institutionelle Investoren in den USA die Strukturen und Wirkungsweisen von Short-ETFs nicht.

Auch in Europa erlebe ich bei Gesprächen nach Produktpräsentationen und auf Konferenzen immer wieder, dass viele Investoren noch einen erheblichen Informationsbedarf in Bezug auf ETFs haben. Das fängt bereits beim Basiswissen an. Vor diesem Hintergrund erscheint es fast befremdlich, welche akademischen Diskussionen über ETFs in der Öffentlichkeit geführt werden - zum Beispiel über die Kosten von Index-Swaps.

Solche Diskussionen dürften neue Investoren und insbesondere Privatanleger eher abschrecken, anstatt ihnen ETFs näher zu bringen. Natürlich sollten alle Aspekte von ETFs öffentlich in der gebotenen Breite und Tiefe diskutiert werden. Allerdings gilt dabei: Die Dosis macht das Gift. Daher sollte sich jeder, der mit der Kommunikation gegenüber Investoren betraut ist, überlegen, wie viel Fachwissen sein Publikum verkraftet.

Auf der anderen Seite erlebe ich immer wieder sehr produktlastige Präsentationen. Diese erinnern trotz vielversprechender Titel eher an überlange Werbespots, als dass sie nützliche Informationen über neue Anlagemöglichkeiten bieten. Sicher, am Ende des Tages sollen die Investoren die Produkte kaufen. Aber werden Sie das tun, wenn die Informationen, die sie erhalten haben, zu oberflächlich oder verwirrend waren? Von daher sollten Produktanbieter, Berater und Medien nicht müde werden, auch immer wieder Basiswissen zu vermitteln. Dadurch können sie neue Kundengruppen erreichen, ohne erfahrene Investoren zu langweilen.