Gökhan Kula: Die Türkische Lira am Scheideweg

Gökhan Kula

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Seit Anfang des Jahres 2013 haben sich der türkische Kapitalmarkt und entsprechend auch die türkische Lira volatil verhalten und internationalen Investoren hohe Verluste beschert.

Innerhalb von nur wenigen Monaten hat sich die Türkei von einem begehrten Anlageland, das viele Mittelzuflüsse generieren konnte (Stichwort: Aufnahme durch die Ratingagenturen in den „Investmentgrade Club“) in ein Anlageland gewandelt, das derzeit stark gemieden wird.

Auch wenn zwischenzeitlich durch die fortgesetzten geldpolitischen Stimuli der türkische Kapitalmarkt profitieren konnte, so waren die Zugewinne überschaubar und weiter von hoher Volatilität geprägt.

Kurzfristig bleibt der Markt fragil und abhängig von der Fortführung der massiven Liquiditätsausweitung insbesondere der US Notenbank Fed. Seit Jahresanfang 2013 weist der türkische Aktienmarkt unvermindert eine negative Wertentwicklung von knapp minus 19 Prozent (in Euro, per 21. November 2013; Quelle: FactSet Research) aus und ist somit im Vergleich zu anderen Schwellenländern im Jahr 2013 Underperformer.

Ein wesentlicher Treiber dieser negativen Wertentwicklung ist der deutlichen Abwertung der Türkischen Lira geschuldet. Mit einem Niveau von Euro/Türkische Lira 2,73 (per 21. November 2013; Quelle: FactSet Research) notiert diese zum Euro seit Jahresanfang (EUR/TRY 2,35) um knapp 14 Prozent schwächer (siehe Grafik).

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Chartverlauf EUR/TRY – seit November 2010; Quelle: FactSet Research, MYRA Capital

Auffallend ist, dass sich nach den Kursverlusten der letzten Monate weiterhin nur wenige internationale Investoren wieder neu in der Türkei engagieren und dadurch die Nachfrage nach der türkischen Lira überwiegend von einheimischen (Privat-) Investoren getrieben wird.

Dies zeigt sich auch an den Staatsanleiheemissionen des türkischen Staates, der sich mittlerweile wieder im einstelligen Zinsbereich refinanzieren kann –  die letzte Auktion im 10-jährigen Bereich war vor allem durch sehr starke inländische Nachfrage überzeichnet, sodass der Zins nunmehr bei knapp unter 9 Prozent liegt.

Vergleicht man das aktuelle Bild noch mit dem letzten Jahr beziehungsweise vor der „Tapering“ Ankündigung der Fed, so konnten Schwellenländer wie die Türkei oder Brasilien massiv von der „Suche nach Überrendite“ profitieren. Entsprechend heftig war dann die Korrektur für insbesondere diejenigen Länder, die hoch in der internationalen Anlegergunst standen und hohe ausländische Portfoliozuflüsse in den vergangenen Quartalen generieren konnten (siehe Grafik).

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Die „Tapering“-Ankündigung der FED hat insbesondere diejenigen Schwellenländer negativ getroffen, die zuvor hohe Portfoliozuflüsse zu verzeichnen hatten; Quelle: Bank of Canada, McKinsey Global Institute