„Gold ist günstig“ Darum lohnt sich jetzt der Goldkauf

Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Degussa

Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Degussa

// //

Gold wird üblicherweise aufgrund von drei Motiven nachgefragt: als Inputfaktor in der Industrie, zur Erzeugung von Schmuck und zur Erfüllung von Geldfunktionen wie Wertaufbewahrungs- und Tauschfunktion. Alle diese Teilnachfragen sind mehr oder weniger preiselastisch. Steigt zum Beispiel der Goldpreis, geht die Goldnachfrage für Industrie- und Schmuckzwecke zurück. Ein steigender Goldpreis ermuntert jedoch in der Regel gleichzeitig auch eine Ausweitung der Goldproduktion und arbeitet so der Verteuerung des gelben Metalls entgegen.

Die Währungsgeschichte zeigt eindrucksvoll, dass das Gold den Menschen jedoch insbesondere zur Erfüllung eines Zweckes dient: als Geld, als allgemein akzeptiertes Tauschmittel. Das Goldgeld ist, so lässt sich durchaus sagen, die währungshistorische Norm. Der Grund: Gold hat die physischen Eigenschaften, die ein Gut haben muss, damit es als Geld verwendet werden kann: Gold ist knapp, homogen, teilbar, prägbar, haltbar, transportabel, unverderblich und verkörpert einen relativ hohen (Tausch-)Wert pro Gewichtseinheit. Gold ist so gesehen gutes Geld, es ist geradezu perfektes Geld.

Auch heute noch – in einer Welt des entmaterialisierten, des ungedeckten Papiergeldes – konkurriert Gold mit den offiziellen Währungen wie zum Beispiel US-Dollar, chinesischer Ren-minbi, Euro oder Schweizer Franken. In den letzten Jahrzehnten waren aus Sicht vieler Anleger die offiziellen Währung in einer Hinsicht attraktiver: Mit ihnen ließ sich ein Zins verdienen, mit dem Halten von Gold nicht. Doch eben dieser Wettbewerbsvorteil der offiziellen Währungen ist nunmehr perdu: Die Niedrig- beziehungsweise Negativzinspolitik der Zentralbanken hat die Marktzinsen auf beziehungsweise unter die Nulllinie getrieben.

Der Grund ist die weltweite Hochverschuldung von Staaten, Banken und Konsumenten. Eine Abkehr aus der Niedrig- beziehungsweise Negativzinspolitik, eine Rückkehr zu normalen Zinshöhen, ist daher sehr unwahrscheinlich. Die Marktzinsen werden aller Voraussicht nach nicht nur extrem niedrig bleiben, sondern in realer Rechnung vielfach auch negativ werden. Denn der „Politik-Mix“, der in einer allgemeinen Überschuldungssituation als das vergleichbar kleinste Übels angesehen wird, enthält auch den Einsatz der „Inflationssteuer“: die bewusste Schmälerung der Kaufkraft des Geldes.