Gold: Spekulanten drücken den Preis

: Gold: Spekulanten drücken den Preis

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Am 14. Oktober versteigert der Ebay- Teilnehmer Pelzer111 einen Goldbarren. 5 Gramm wiegt er und ist mit Kantenmaßen von 23,1 und 14,1 Millimetern nur wenig größer als ein Daumennagel. Der offizielle Börsenpreis für das Kleinod beträgt an diesem Tag nicht einmal 100 Euro. Trotzdem überweist der Käufer 141 Euro plus Versandkosten – ein Preisaufschlag von 41 Prozent. Das ist zurzeit nicht unüblich: Gold ist rar, der Markt für Privatkunden stößt an seine Grenzen. Prägestätten wie die Firmen W. C. Heraeus und Umicore kommen mit dem Stanzen der begehrten Barren nicht nach. „Es sind zwei Parallelmärkte entstanden, die sich erst wieder vereinen, wenn die Nachfrage nach physischem Gold bei Privatanlegern sinkt“, erklärt Martin Siegel, Geschäftsführer der Edelmetallhandelsgesellschaft Westgold. Doch das kann dauern: Die Wartezeiten für Barren reichen bis ins neue Jahr. Die Grenze der Parallelwelten verläuft zwischen dem privaten Goldanleger und dem großen Goldgeschäft, das vornehmlich über London läuft. So verkraftete der Zertifikate-Anbieter ETF Securities in der ersten Oktoberwoche Mittelzuflüsse von umgerechnet 68 Millionen Euro in seine mit physischem Gold besicherten Zertifikate. Dafür musste er 106.000 Unzen zusätzlich einlagern. Das sind fast 3.300 Kilogramm und entspricht einem Goldwürfel mit einer Kantenlänge von 55 Zentimetern. Doch es klappte problemlos, so Unternehmenssprecher Michael Geister. Schwacher Preis So erklärt sich, warum sich der Goldpreis seit Jahresbeginn mit einem Rückgang um 9,5 Prozent in Dollar schwach entwickelte: Es gab am großen Markt nicht den Engpass, mit dem sich Privatkunden auseinandersetzen müssen. Allein am Handelsplatz London Bullion Market gingen im September 771 Tonnen Gold mit einem Handelswert von 20,5 Milliarden Dollar über den Tisch. Dort ist Gold häufig nur ein Spekulationsobjekt, wie ein Vergleich mit dem Währungspaar Dollar-Euro belegt. Solange der Dollar gegenüber der Gemeinschaftswährung an Wert verlor, verteuerte sich das Edelmetall. Es sollte vor Währungsverlusten schützen. Kaum brach der Währungstrend, schmolz auch das Gold. „Zusätzlicher Druck entstand, als Trendinvestoren gehebelte Wetten auf einen fallenden Dollar und einen steigenden Goldpreis auflösen mussten“, erklärt die Goldschürfervereinigung World Gold Council (WGC) in ihrem Marktbericht. Andere verkauften ihre Goldpositionen, um Wertpapierkredite zurückzuzahlen. Und zu guter Letzt wurde das gelbe Gut auch vom Rohstoff-Crash mitgezogen. „Das Rückabwickeln der Positionen wirkte sich direkt aus, weil Gold häufig als Bestandteil von Rohstoffkörben mitgekauft wurde“, heißt es dazu im Bericht. >> Teil 2: Einiges spricht für einen steigenden Goldpreis