Goldman Sachs: Bankensektor übergewichten

Peter Oppenheimer, Chefstratege für die globalen Aktienmärkte bei Goldman Sachs

Peter Oppenheimer, Chefstratege für die globalen Aktienmärkte bei Goldman Sachs

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Frage: Herr Oppenheimer, Sie sind seit einiger Zeit optimistisch in Bezug auf Aktien.  Ist das immer noch so?

Peter Oppenheimer:
Wir sind in der Tat für die nächsten Monate nach wie vor positiv zu Aktien als Anlageklasse eingestellt. Denn die Aktien erholen sich gerade von ihren schlechtesten relativen Zehnjahresrenditen (bei Betrachtung von jeweils zehn aufeinanderfolgenden Jahren) seit über einem Jahrhundert.

Wir erwarten eine allmähliche Umkehr dieser Entwicklung, sodass es auf Aktien in den nächsten Jahren positive Risikoprämien geben dürfte.

Frage:
Aber die Bewertungen sind doch nicht mehr so niedrig wie vor einigen Monaten.

Oppenheimer:
Auch wenn sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Aktien erhöht hat, ist die Aktienrisikoprämie nach wie vor hoch.

Wir erwarten hier einen weiteren Rückgang, wobei Aktien zwar nach wie vor eine bessere Performance erreichen dürften als Anleihen, jedoch bei langsamer steigenden Aktienkursen.

Frage: Welche Faktoren bestimmen die weitere Entwicklung, und wie viel Rendite können wir von europäischen Aktien erwarten?

Oppenheimer:
Vieles hängt vom Gewinnwachstum ab; denn wir setzen nicht mehr auf eine Erhöhung der Kurs-Gewinn-Verhältnisse als wichtigster Antriebsfeder für die Renditen.

Wir sehen dies als typisch an für den Übergang von einer anfänglichen Phase der „Hoffnung“, in der die Aktienkurse, getragen von einem Anstieg der Kurs-Gewinn-Verhältnisse, ­rasant anziehen, zu einer Phase mit langsamerem, aber länger anhaltendem Wachstum, in der die Renditeentwicklung durch die Gewinne bestimmt wird.

Für die Unternehmen im Stoxx Europe 600 erwarten wir eine Gewinnsteigerung von 14 Prozent im Jahr 2014 beziehungsweise von 13 Prozent in 2015.

Frage:
Das klingt optimistisch.

Oppenheimer:
Das sind recht bescheidene Werte, wenn man bedenkt, dass in früheren Erholungsphasen ein Gewinnwachstum von 30 bis 50 Prozent nicht ungewöhnlich war.

Bis Ende 2014 prognostizieren wir, dass der Stoxx 600 bei 360 Zählern ankommen wird, was einer nominalen Rendite von 15,1 Prozent entspricht.

Frage: Was sind die wichtigsten Investmentthemen, auf die sich Anleger konzentrieren sollten?

Oppenheimer:
Was Europa angeht, stehen bei unseren Anlagethemen nach wie vor die Knappheit von Erträgen und Wachstum im Fokus. Als die Unsicherheit in den letzten Jahren deutlich zunahm, horteten die Unternehmen ebenso wie die Anleger liquide Mittel.

Mit der Rückkehr der Zuversicht sollte eine entgegengesetzte Entwicklung einsetzen. Die Unternehmen werden wahrscheinlich durch den Rückkauf eigener Aktien und durch Dividenden mehr Geld an ihre Aktionäre zurückgeben und auch in zukünftiges Wachstum investieren.

Wir konzentrieren uns auf eine Kernstrategie, die attraktive Gesamtrenditen zum Ziel hat, und investieren in Unternehmen, die begründete Aussichten auf Kursgewinne bieten und steigende Dividendenzahlungen erwarten lassen.

Und wir würden diese Strategie ergänzen durch eine Schwerpunktsetzung mit dem Ziel, vom Wachstum in den Industrieländern zu profitieren.