Griechenland: Willkommen zurück in einer Welt des großen Potenzials

Mark Mobius

Mark Mobius

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Im Juni bestätigte der führende Anbieter internationaler Aktienindizes MSCI in seinem „2013 Annual Market Classification Review“, dass Griechenland als erste Nation überhaupt seinen Status im MSCI Universum als entwickeltes Industrieland im Laufe des Jahres verlieren werde.[1]

Als ich 1987 zur Templeton Emerging Markets Group kam wurde Griechenland noch als Schwellenland geführt. Doch obwohl jüngste Meldungen das Bild einer erheblichen Verschlechterung der Wirtschaftsbedingungen des Landes zeichnen, ist die Erklärung von MSCI für diese Neuklassifizierung tatsächlich mehr mondäner Art.

Die Aufteilung des MSCI Aktienuniversums in „Industrie-“, „Schwellen-“ und „Grenzmarkt“ Indizes erfolgte ursprünglich, weil Länder die Weltbühne betraten, die sich in unterschiedlichen Phasen wirtschaftlicher Entwicklung befanden.

Um als Industrieland beziehungsweise entwickeltes Land klassifiziert zu werden muss das Bruttosozialprodukt (BSP) pro Kopf über einen Zeitraum von drei aufeinander folgenden Jahren mindestens 25 Prozent über dem von der Weltbank festgelegten Schwellenwert für die Länderkategorie „hohe Einkommen“ (das heißt entwickelt) liegen.[2]

Liegt der Schwellenwert der Weltbank also bei 12.475 US-Dollar, wie es 2011, dem letzten Jahr für das Daten verfügbar sind, der Fall war, dann entspricht dies 15.600 US-Dollar. Trotz mehrerer Jahre heftigster Rezession liegt das BSP pro Kopf in Griechenland weit über diesem Wert.[3]

Tatsächlich ist es so, dass mehrere Schwellen- und Grenzmärkte dieses Kriterium erfüllen. Die für eine Aufnahme in den Index geltenden MSCI Erfordernisse an die Wirtschaftsentwicklung stellen für Griechenland also kein Problem dar. Vielmehr waren andere Faktoren, die sich auf die Fähigkeit internationaler Investoren in den Markt einzutreten und sich dort zu betätigen beziehen, von Bedeutung.

Die griechische Tragödie

Damit ein internationaler Aktienindex seinen Zweck erfüllen kann ist es laut MSCI erforderlich, dass Investoren – auch passive „Index“ Vehikel – die im Index geführten Unternehmen relativ leicht und vertrauensvoll kaufen und verkaufen können.[4]

MSCI verfügt in dieser Hinsicht über eine Reihe von Kriterien, wie zum Beispiel genaue Anforderungen an Marktgröße und Liquidität, sowie mehrere eher subjektive Vorgaben. Hierzu zählen die Aufgeschlossenheit einer Nation gegenüber ausländischem Eigentum, Beschränkungen des Devisenhandels,  die eine Rückführung von Finanzmitteln beeinträchtigen könnten, und die Existenz von Mechanismen zur Erleichterung des Handels.

Griechenland erfüllt weder die MSCI Tests für eine Aufnahme in den Industriestaaten-Index für die Größe, noch die Zugänglichkeit zum Markt. Das liegt daran, dass der Kollaps des griechischen Aktienmarktes seit 2007 und die anschließende Neunotierung einiger wichtiger Unternehmen anderenorts dazu führten, dass im griechischen Markt zu wenige große und liquide Werte verbleiben, die es Großinvestoren ermöglichen würden, angemessene Positionen einzunehmen.

Außerdem haben die griechischen Börsenaufsichtsbehörden es versäumt mit den Entwicklungen in anderen Märkten bei Themen wie Wertpapierleihgeschäfte, Leerverkäufe und Übertragbarkeit Schritt zu halten. Dadurch ist es relativ schwierig geworden im griechischen Markt Geschäfte zu tätigen.

Wir sehen jedoch trotz der Probleme in Griechenland potenzielle, langfristige Chancen dort. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir uns eilen sofort griechische Aktien zu kaufen nur weil Griechenland wieder Teil des Schwellenmarktuniversums wird.

Ein grundlegender Aspekt unserer Anlagephilosophie ist, dass wir uns nicht durch Überlegungen zu Indexgewichtungen einengen lassen. Obwohl wir natürlich auf die makroökonomischen Fundamentaldaten eines Landes achten, beruhen unsere Allokationsentscheidungen primär auf dem individuellen, langfristigen Wert und die potenziellen Perspektiven, die einzelne Unternehmen bieten.