Große Analyse So kamen die Fonds-Lieblinge der deutschen Makler durchs Chaos-Halbjahr 2016

Asbjørn Trolle Hansen, Fondsmanager des Nordea Stable Return

Asbjørn Trolle Hansen, Fondsmanager des Nordea Stable Return

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Es ging schon mies los: Anstelle eines Kursfeuerwerks erleiden Aktionäre pünktlich zum Handelsstart 2016 herbe Abstürze. Das Epizentrum des Börsenbebens liegt in China, die Schockwellen verschonen rund um den Globus keinen wichtigen Handelsplatz. Der Fehlstart vernichtet bereits am ersten Tag Börsenwerte von rund 2.200 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Unternehmen des deutschen Leitindex Dax sind zusammen nicht einmal die Hälfte dieser Summe wert.

Im März sind die schlimmsten Turbulenzen auf dem Aktienmarkt abgeflaut und ein Teil der Kursverluste ist schon wieder aufgeholt. Der Dax klopft von unten gegen die 10.000-Punkte-Marke, die früheren Spitzenstände jenseits der 12.000 Punkte sind aber noch weit entfernt. Da startet die nächste Runde der Achterbahnfahrt: Ein Austritt der Briten aus der Europäischen Union wird zunehmend wahrscheinlicher, spiegelt sich aber in den nur langsam sinkenden Börsenkursen kaum wider. Das ändert sich schlagartig, als der Brexit Ende Juni offiziell feststeht.

Nach dem Votum der Briten, der Staatengemeinschaft den Rücken zu kehren, geht das wichtigste deutsche Börsenbarometer erneut in den schnellen Sinkflug. Allein im Juni verliert der Dax rund 7 Prozent, im kompletten ersten Halbjahr etwa ein Zehntel seines Niveaus. Das spricht dafür, dass sich offenbar nicht besonders viele Marktteilnehmer rechtzeitig gegen die Kursstürze gewappnet haben. Zu den Umsichtigen gehörte aber das Gros der hierzulande gefragten Fondsmanager, wie ein Blick auf die Performance-Zahlen zeigt. Nahezu alle Verkaufsschlager der großen Maklerpools konnten den breiten Aktienmarkt klar hinter sich lassen. Die meisten haben auch besser abgeschnitten als eine Kombination von jeweils 50 Prozent Dax und deutschen Staatsanleihen.

Unter ihnen der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen. Das von Frank Fischer zusammengestellte Portfolio liegt Stand 20. Juli verglichen mit dem Vorjahrszeitpunkt 2 Prozent im Plus. Seit dem Jahresstart hält es sich mit 0,1 Prozent immerhin knapp über Wasser. Ganz zufrieden ist Fischer nicht. Mit einer Aktienquote von über 80 Prozent habe er nicht nur die Möglichkeit des Austritts, sondern auch die Domino-Effekte auf andere Aktienmärkte unterschätzt, fasst der Fonds-manager zusammen: „Für die meisten Marktteilnehmer und auch für uns kam diese Entscheidung leider unerwartet.“


Quelle: Bloomberg

Dass der Brexit die nächste Bankenkrise in Europa beschleunigt, ist ihm aber nicht entgangen. „Die italienischen Banken sind derzeit das größte Risiko. Aktuell haben wir Kasse aufgebaut und sogar eine Absicherung auf europäische Aktien“, so der Fondsmanager. Konkret hält Fischer nun mehr als ein Fünftel des Fondsvermögens in Barmitteln. Den Aktienanteil im Portfolio hat er auf 65 Prozent gesenkt.

Im Zuge dessen ist Deutschlands Gewicht gewachsen, weil internationale Großunternehmen wie Warren Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway, Chinas Internet-Gigant Alibaba und Google-Mutter Alphabet aus dem Portfolio geflogen sind: „Neu gekauft oder aufgestockt haben wir stattdessen die Autozulieferer EDAG und Bertrandt sowie den Telekommunikationsanbieter Freenet.“