Große Expertendiskussion „Wir müssen unsere Dienstleistung erklären“

Die Teilnehmer der Diskussionsrunde im Palais Frankfurt (von links nach rechts): Detlef Glow, Leiter Fondsanalyse Europa, Naher Osten und Afrika, Lipper; Klaus-Dieter Erdmann, Geschäftsführer MMD Multi Manager, Detlev Kleis, Bereichsleiter Fixed Income/Global Investment Solutions, UBS Global Asset Management, Christian Mosel, Stellvertretender Vorsitzender des Vorstands, Bank J. Safra Sarasin (Deutschland), Christian Machts, Managing DIrector/Head of Retail Deutschland, Österreich und Osteuropa, Blackrock, Josef Kaesmeier, Geschäftsführender Gesellschafter, MFI Asset Management.
Foto: Christian Scholtysik

Die Teilnehmer der Diskussionsrunde im Palais Frankfurt (von links nach rechts): Detlef Glow, Leiter Fondsanalyse Europa, Naher Osten und Afrika, Lipper; Klaus-Dieter Erdmann, Geschäftsführer MMD Multi Manager, Detlev Kleis, Bereichsleiter Fixed Income/Global Investment Solutions, UBS Global Asset Management, Christian Mosel, Stellvertretender Vorsitzender des Vorstands, Bank J. Safra Sarasin (Deutschland), Christian Machts, Managing DIrector/Head of Retail Deutschland, Österreich und Osteuropa, Blackrock, Josef Kaesmeier, Geschäftsführender Gesellschafter, MFI Asset Management. Foto: Christian Scholtysik

// //

DAS INVESTMENT: Alles rechnet mit der Zinswende in den USA. Wann kommt sie Ihres Erachtens?

Detlev Kleis: Die erste Zinsanhebung der Fed wird wohl bis zum Herbst erfolgt sein. Weitere Anhebungen werden unseres Erachtens dann eher zeitlich gestreckt erfolgen. Um mögliche Auswirkungen einzuschätzen, schauen wir am besten auf die Jahre 1994 und 2004 zurück: 1994 wurden die Märkte stark von den Zinssprüngen überrascht, entsprechend negativ reagierte vor allem der Fixed-Income-Bereich. Das Gegenstück ließ sich 2004 beobachten, als der damalige Fed-Chef Alan Greenspan diese Maßnahme vorher gut kommuniziert hat. Die Märkte konnten sich darauf einstellen, die Zinserhöhungen waren eingepreist, und entsprechend gab es kaum negative Auswirkungen. Wir glauben, dass wir dieses Mal näher am 2004er-Szenario sind.

Josef Kaesmeier: Aber die Märkte zeigen sich erfahrungsgemäß doch immer wieder von den Ereignissen überrascht. Ich kann mir auch vorstellen, dass nach dem ersten Zinsschritt nicht alles ganz so harmonisch abläuft. Und wir alle gehen im Gesamtszenario davon aus, dass die Konjunktur weltweit brummt und dass es eigentlich nur aufwärts geht. Das halte ich nicht für garantiert. Der feste Dollar und der schwache Ölpreis sind zudem nicht optimal für die US-Wirtschaft. So wäre es auch möglich, dass man seitens der Fed mit der Entwicklung des Dollars unzufrieden ist und eine Zinserhöhung bis auf Weiteres sogar zurückstellt.

Christian Mosel: Die Frage, wie sich der Dollar entwickeln wird, ist sicherlich spannend. In diesem Zusammenhang stellt sich auch das Problem vor allem für Investoren, die stark gehebelt eingestiegen sind. Denn unsere Branche hat auch schon mal die Erfahrung gemacht: Gerät ein großer Hedgefonds in die Bre-douille, gibt es schnell massive Schneeballeffekte.

Sehen Sie denn Belege dafür, dass das Gros der Retail-Fonds auf die Zinssituation reagieren konnte?

Klaus-Dieter Erdmann: Mit MMD analysieren wir vor allem vermögensverwaltend gemanagte Produkte, und dort haben auf breiter Front in den vergange-nen Monaten Anpassungsbewegungen stattgefunden. Etwa, indem die Dollar- und die Aktienquote hochgefahren wurden. Teils sicherlich nicht in dem Maß, wie man dies hätte tun können oder sollen. Einige Fondsmanager haben den Trend sicherlich auch ganz verpasst, während andere wiederum zu früh eingestiegen sind.

Detlef Glow: Ich glaube, dass ein Szenario steigender Zinsen ganz gut zeigen kann, wer eigentlich ohne Badehose schwimmt. Denn solange die Märkte steigen, ist es relativ einfach, im Spiel zu bleiben. Etwas anders sieht es aus, wenn Turbulenzen aufkommen. Und viele der Anbieter gerade im Bereich der vermögensverwaltenden Fonds haben noch gar keine echte Krise mitgemacht. Hier wird sich in Zukunft die Spreu vom Weizen trennen.

Um ordentliche Erträge erwirtschaften zu können, gelten Aktien allgemein als alternativlos. Doch der Dax hat gerade wieder Höchststände erreicht, das „Einsteigen“-Mantra wird jetzt auch in den Boulevardzeitungen gebetet. Eigentlich ein Kontraindikator, oder?

Christian Machts: Das könnte man so sehen. Wann immer die Publikumsmedien aufgerufen haben, in Aktien zu investieren, war das in der Regel das Ende des Zyklus. Doch wir erwarten bei den Aktienmärkten keine dramatische Korrektur – wobei natürlich ab und zu mal Rücksetzer auch im zweistelligen Prozentbereich liegen können. Insgesamt glauben wir jedoch, dass die volkswirtschaftlichen Daten positiv und die Gewinnerwartungen der Unternehmen solide sind. Wir erleben derzeit einen Prozess der Wertaufholung: Die USA sind im vergangenen Jahr vorweggelaufen, jetzt folgen Europa und Deutschland.

Mosel: Gefährlich wird es doch erst, wenn sich vermeintliche Alternativlosigkeit mit Sorglosigkeit paart. Das kann ich aber derzeit auch nicht erkennen. Und das Zweite ist: Wir gewöhnen uns gerade an Nullzinsen. Möglicherweise wird bei Aktien ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 bald normal sein. Im Moment denken wir noch, dass ein Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 13 oder bei 14 gesund ist. Vielleicht wird es so kommen, dass wir über viele Jahre mit null Zinsen, dafür aber mit hohen KGVs leben und dass dann viele Analysten und Researcher darauf ihre Modelle aufbauen.

Kaesmeier: Und was weiterhin ebenfalls für die Aktie spricht, sind die Blasen am Rentenmarkt und im Immobilienbereich, die sich auch in Deutschland abzeichnen. Aktien sind demgegenüber noch relativ moderat bewertet, deshalb würde ich auf Sicht von ein, zwei Jahren sagen, dass der Dax auch auf 15.000 Punkte steigen könnte. Allerdings gilt selbstredend immer: Je steiler der Anstieg, desto heftiger werden Rücksetzer aussehen.