GSAM-Expertin Marie Cardoen Schwellenländer leiden weniger unter Handelskonflikten

Marie Cardoen ist Privatkunden-Chefin für Deutschland und Österreich bei Goldman Sachs Asset Management. | © GSAM

Marie Cardoen ist Privatkunden-Chefin für Deutschland und Österreich bei Goldman Sachs Asset Management. Foto: GSAM

Der Handelsstreit zwischen den USA und China erklimmt eine Eskalationsstufe nach der nächsten, und auch andere Weltregionen leiden unter dem protektionistische Wirtschaftskurs, den US-Präsident Donald Trump eingeleitet hat. Dabei ist die Situation speziell für Schwellenländer gar nicht so dramatisch, wie manch ein Anleger befürchtet. Zu diesem Ergebnis kommt Marie Cardoen, Privatkunden-Chefin Deutschland und Österreich bei Goldman Sachs Asset Management.

Im Gegensatz zu den Industrieländern sind Schwellenländer von den internationalen Spannungen vergleichsweise wenig berührt, analysiert Cardoen: Die Aktienmärkte der aufstrebenden Länder konzentrierten sich zunehmend auf heimische Anleger. Zudem erwirtschaften Schwellenlandunternehmen zusammengenommen nur acht Prozent ihrer direkten Umsätze auch wirklich in den USA, bei chinesischen Unternehmen sind es sogar nur zwei Prozent, erinnert Cardoen.

Wie sich Strafzölle auf China auswirken

Insgesamt gestaltet sich die Situation für China laut der Expertin eher undramatisch: Die Trump‘schen Strafzölle würden nur zwei Prozent der chinesischen Exporte und sogar nur 0,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betreffen. Genauer gesagt: 25 Prozent Zollabgaben entsprechen 0,1 Prozent des chinesischen BIPs, rechnet Cardoen vor. Zudem habe das Land viel Spielraum bei der Steuer- und Geldpolitik, um negative Auswirkungen abzufedern.

Weitere Handelseinschränkungen hätten auf Schwellenländer aber auch aus einem anderem Grund nur begrenzte Auswirkungen: Viele der Länder haben laut Cardoen in den vergangenen Jahren ihre Wachstumsaussichten verbessern können, indem sie ihre Leistungsbilanz gestärkt und erfolgreich gegen Inflation vorgegangen sind. Schwellenland-Unternehmen wirtschafteten immer rentabler. Daher sollten die Unternehmensgewinne, die in den vergangenen zehn Jahren im Allgemeinen eher verhalten ausfielen, in Zukunft schneller steigen, stellt Cardoen in Aussicht.

Die GSAM-Expertin rechnet damit, dass Schwellenländer in den kommenden Jahren weiterhin wirtschaftlich schneller wachsen als die traditionellen Industrieländer. In zehn Jahren könnten sie bereits drei Viertel des globalen Wachstums für sich verbuchen. Anlegern, die an einem Schwellenland-Inbestment interessiert sind, gibt Cardoen auf den Weg: Besonders binnenorientierte Schwellenland-Unternehmen mit gut durchdachten Geschäftsmodellen seien auf lange Sicht eine lohnenswerte Anlage.