Halbjahresbilanz Aktien- oder Anleihemarkt – wer ist im Vorteil?

Witold Bahrke, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management

Witold Bahrke, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management

Die Halbjahresbilanz der Finanzmärkte fällt positiv aus: Bei extrem niedriger Volatilität lieferten sowohl Aktien als auch Anleihen positive Renditen – doch aus unterschiedlichen Gründen. Die wichtigsten Treiber der Aktien-Hausse waren Hoffnungen auf höheres Wachstum und steigende Inflation, was für höhere Zinsen sprechen sollte. Der Anleihemarkt scheint dagegen auf ein Fortbestehen des Niedrigwachstumsumfelds zu setzen, was die fortwährend niedrigen Zinsen erklärt, gleichzeitig aber ein Fortbestehen der Aktienrally infrage stellt. Zwei grundverschiedene Szenarien also, die mittelfristig unvereinbar sind. Unserer Ansicht nach kann nur einer recht behalten, entweder Aktien- oder Anleihemarkt.

Letzterer scheint im Vorteil. Erstens sind die Wachstumserwartungen der Aktienmärkte sehr optimistisch angesichts enttäuschender Makrodaten der vergangenen Monate. Zweitens ist die Inflation jüngst wieder gefallen. Langsameres Wachstum des globalen Inflationstreibers China dürfte dies bestärken. Drittens ziehen die großen Zentralbanken die Zügel an, unbeirrt von schwächelnder Inflation. Monetärer Gegenwind ist unausweichlich. Wer auch immer aus dem Tauziehen der wichtigsten Anlageklassen als Sieger hervorgehen wird, ein Fortbestehen des extrem ruhigen Marktumfelds ist unwahrscheinlich. Jegliche Angleichung – entweder in Form von fallenden Aktienkursen oder steigenden Zinsen – dürfte zu deutlich höheren Schwankungsbreiten der Märkte führen. Machen wir uns auf eine unruhige 2. Jahreshälfte gefasst.