Handelskrieg und chinesische Aktien Wie China-Anleger jetzt profitieren können

Sojabohnenernte in Mato Grosso, Brasilien: Wegen des Handelsstreits importiert die chinesische Industrie jetzt Sojabohnen aus Südamerika  | © Getty Images

Sojabohnenernte in Mato Grosso, Brasilien: Wegen des Handelsstreits importiert die chinesische Industrie jetzt Sojabohnen aus Südamerika Foto: Getty Images

Das Verhältnis von China und den USA scheint sich weiter zu verschlechtern. Die USA veröffentlichten jüngst eine Liste von weiteren Gütern im Wert von 200 Milliarden US-Dollar, die mit Zöllen in Höhe von 10 Prozent belegt werden sollen. Die ganze Angelegenheit soll bis zur öffentlichen Anhörung am 30. August vorangetrieben werden. Bereits im September könnten dann die Zölle eingeführt werden. Da es bei den Diskussionen um Handel und Protektionismus nun ernsthaft zur Sache geht, stehen chinesische Assets unter Druck. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sowohl der Renminbi (RNB) als auch der Aktienmarkt weitere Korrekturen erleben.

Es gibt also viel Unsicherheit in absehbarer Zukunft. Doch unser wahrscheinlichstes Szenario ist trotzdem, dass die Streithähne ernsthafte Eskalationen vermeiden werden. Zudem werden die Zölle für Waren aus China voraussichtlich nur einen vergleichsweise geringen Einfluss auf die chinesische Volkswirtschaft haben. Bisher machen die Exporte in die USA rund 3 Prozent des chinesischen BIP aus. Wir rechnen damit, dass ein Zoll von 10 Prozent auf Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar (dies entspricht 40 Prozent des Wertes aller US-Importe aus China) das chinesische Bruttoinlandsprodukt um etwa 0,2 Prozent senken könnte.

Verluste von Renminbi und Aktien sind zu verschmerzen

Während wir also abwarten, welche Vergeltungsmaßnahmen China inszeniert, hoffen wir auf tiefgreifende Maßnahmen der Politik, um die Wirtschaft im zweiten Halbjahr zu stützen. So könnten die negativen Effekte des Streits abgemildert werden. Volkswirtschaftliche Fundamentaldaten und eine klare Botschaft der People Bank of China (PBoC) in jüngster Vergangenheit signalisieren, dass der Renminbi nicht überreagieren wird. Unser 12-Monatsziel des Verhältnisses von US-Dollar und Renminbi ist nicht weit entfernt vom aktuellen Niveau.

Allerdings scheint der heftige Wertverlust der chinesischen Währung, in Verbindung mit sich deutlich verschlechternden Wachstumsaussichten in China, in den vergangenen Wochen die Stimmung an den Märkten gedrückt zu haben. Nichtsdestoweniger glauben wir, dass der dortige Markt trotz verlangsamten Wirtschaftswachstums – zumal, wenn Schulden abgebaut werden – mittelfristig positive Erträge bringen kann.

Allerdings haben chinesische A-Aktien seit dem Höhepunkt des Marktes Ende Januar 2018 fast 30 Prozent verloren. Doch gerade deshalb bieten sie attraktive Vorteile – sowohl in absoluten Zahlen als auch relativ gesehen – gegenüber dem Markt der H-Aktien, wenn man die historische Entwicklung der beiden vergleicht. Trotzdem bleiben wir kurzfristig sowohl bei A-Aktien als auch bei H-Aktien vorsichtig – und dies zumindest so lange, bis wir mehr Klarheit haben, welche weiteren negativen Einflüsse die Märkte erfassen können. Auf lange Sicht scheint jedoch der Markt der A-Aktien besonders chancenreich zu sein. Daher suchen wir nach geeigneten Einstiegsmöglichkeiten. Beim Stockpicking suchen wir vor allem nach Werten, die vom riesigen Heimatmarkt und vom steigenden Konsum profitieren. Dort finden sich nach unserer Meinung die lukrativsten Chancen.

China ist bereits jetzt eine eigene Investmentklasse

Doch wir geben zu bedenken: Auch wenn China im Moment schwach erscheint, sollten Investoren das Land mit einem besonderen Blick betrachten. Wir denken, es lohnt sich, China als eine eigene Investmentklasse zu bewerten. Es nur als Teil der Emerging Markets einzuordnen, wird dem Land nicht mehr gerecht. Nur mit dieser neuen Einschätzung können Anleger vom Wandel profitieren, der sich aus der Transformation der chinesischen Wirtschaft und aus dem veränderten Status des Landes als wirtschaftliche Weltmacht ergibt.

Soweit nicht anders angegeben, beruhen die hier enthaltenen Ansichten auf Recherchen, Berechnungen und Informationen von Amundi Asset Management und haben den Stand 11.07.2018. Diese Ansichten können sich jederzeit ändern, abhängig von wirtschaftlichen und anderen Rahmenbedingungen. Es gibt keine Gewähr, dass sich Länder, Märkte oder Branchen wie erwartet entwickeln werden. Diese Veröffentlichung ist kein Verkaufsprospekt und stellt kein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Anteilen in Ländern dar, in denen ein solches Angebot nicht rechtmäßig wäre. Außerdem stellt diese Veröffentlichung kein solches Angebot an Personen dar, an die es nach der jeweils anwendbaren Gesetzgebung nicht abgegeben werden darf. Amundi Deutschland GmbH ist ein Unternehmen der Amundi Gruppe.