Blackrock-Manager im Doppel-Interview Altersvorsorge: „Traditionelle Nominalgarantie nicht mehr zeitgemäß“

Die drei Phasen der Altersvorsorge | © Blackrock

Die drei Phasen der Altersvorsorge Foto: Blackrock

DAS INVESTMENT: Die Europäische Zentralbank drückt das Zinsniveau unter null und bringt Anleger beim Vorsorgen um ihre Renditen.

Peter Scharl: Natürlich sehen viele die niedrigen Zinsen kritisch. Allerdings wären wir sicherlich ohne diese Maßnahmen nicht so gut gestellt, wie wir es heute sind. Auf jeden Fall ist das Umfeld eine gute Chance und gleichzeitig eine Herausforderung, noch einmal die Strategie für die eigene Altersvorsorge zu überdenken.

Christian Machts: Viele verstehen, dass das Drei-Säulen-Modell aus staatlicher Rente, Betriebsrente und privater Vorsorge einige nennenswerte Herausforderungen birgt. Das allein ist schon viel wert.

Scharl: Das System selbst ist ja richtig und gut. Nur haben viele die zweite und dritte Säule vernachlässigt. Bislang kommen nur 5 Prozent aller Auszahlungen im Alter aus einer betrieblichen Rente. Es muss und wird sich einiges dorthin verschieben.

Nur die gesetzliche Garantie nervt.

Scharl: Harte Garantien funktionieren im Niedrigzinsumfeld definitiv nicht mehr. Nach Kosten bleibt dann kaum noch etwas übrig. Was aber noch funktioniert, sind alternative Garantien. Wenn man breit streut und Korrelationen beachtet, bekommt man quasi auch eine Garantie. Dann ist es kaum möglich, über längere Zeiträume Verluste zu erleiden.

Machts: Ich halte die traditionelle Nominalgarantie für nicht mehr zeitgemäß. Es geht doch vielmehr darum, dass ich über die drei Säulen Ausgaben in heute noch teilweise unbekannter Höhe decken muss, solange ich lebe. Und im Idealfall ist das länger, als ich heute erwarte. Dieses Langlebigkeitsrisiko finde ich viel wichtiger. Im Sparen ist der Deutsche super, die Verrentung im Alter ist dagegen fast gar nicht in den Köpfen verankert.

Es gibt die Begriffe Defined Benefit und Defined Contribution. Bei Ersterem steht die Rückzahlung fest, bei Letzterem die Einzahlung. Was ist besser?

Machts: Studien belegen, dass es sich international in Richtung Defined Contribution bewegt. Die Menschen müssen lernen, mit dieser Unsicherheit umzugehen.

Also alles wie immer: Der kleine Mann kriegt den Schwarzen Peter und das Risiko.

Scharl: Ich würde es nicht so negativ sehen. Denn er bekommt damit auch mehr Flexibilität.

So kann man es natürlich auch sehen.

Scharl: Viele empfinden das als Vorteil, weil sie sich dann die für sie geeignete Allokation im Rahmen der Vorgaben selbst zusammenstellen können.

Machts: Das Risiko liegt heute ohnehin schon beim Anleger. Denn er kennt ja seine späteren Ausgaben heute noch gar nicht. Selbst mit Garantien weiß er heute nicht, was seine Rente später wert ist und ob er seine Ausgaben decken kann.

Dann spielen wir mal „Post an Frau Nahles“. Was muss bei Betriebsrenten passieren?

Machts: Oberste Priorität ist, dass das System wächst. Darauf können sich wahrscheinlich alle einigen. Jeder Arbeitnehmer sollte eine Betriebsrente abschließen dürfen. Dazu sollte das Ansparen fair gestaltet sein. Sonderzahlungen sollten möglich sein, ebenso wie Entgeltumwandlungen. Plus die Entscheidung, welches Risikoprofil und welche Sicherheiten im Produkt enthalten sind. Das ist zurzeit nicht der Fall, aber in meinen Augen sehr wichtig.