Hintergründe zum Zahlensalat 6 Gründe, warum Quant-Fonds derzeit nicht laufen

Beratungsgespräch im Rahmen des Obamacare-Programms in den USA: Das Hin und Her bei der geplanten Gesundheitsreform unter Neu-US-Präsident Donald Trump brachte auch quantitative Aktienfonds durcheinander. | © Getty Images

Beratungsgespräch im Rahmen des Obamacare-Programms in den USA: Das Hin und Her bei der geplanten Gesundheitsreform unter Neu-US-Präsident Donald Trump brachte auch quantitative Aktienfonds durcheinander. Foto: Getty Images

Nein, es ist kein tolles Jahr für Investmentfonds, die anhand harter Markt- und Unternehmenszahlen gemanagt werden. Doch woran liegt es, dass diese sogenannten Quant-Fonds (von „Quantitativ“) derzeit die Sonne nicht sehen und gerade mal ein kleines Plus seit Jahresbeginn abliefern? Senior-Stratege Jean-Baptiste Berthon von Lyxor Asset Management hat sechs Gründe ausgemacht:

  1. Im ersten Halbjahr richteten die Modelle durch ihre Gewichtungen in bestimmten Sektoren und Faktoren auf eine strengere Neutralität ab. Dadurch waren sie von der aktuellen Entwicklung bei Momentum und Aktien mit hohem Beta abgeschnitten.
  2. Die traditionellen Treiber von Quant-Faktoren gerieten durch allgemeinere Themen in Turbulenzen – darunter die Steuer- oder Gesundheitsreformen, die Dollar-Trends, Wahlen und so weiter Dies zeigte sich daran, dass sich die Verbundenheit von Aktien/Sektoren hin zu Faktoren verlagerte. Zum Beispiel verhielten sich Versorger abwechselnd wie defensive oder zyklische Titel. Das stellte die quantitative Auswahl in Frage.
  3. Parallel dazu stieg die Korrelation zwischen quantitativen Stilen plötzlich an, mit deutlich weniger Differenzierung. Dadurch verringerten sich die Chancen für die Strategie.
  4. Während die Aktienkorrelation zurückging, was für Quants normalerweise förderlich ist, erreichte die Volatilität erneut Rekordtiefstände. Auch dies reduzierte die Anzahl der Anlagechancen, während Fonds gleichzeitig gezwungen waren, ihren Verschuldungsgrad zu erhöhen.
  5. Die Rückkehr des Reflation-Trade sorgte bei einer ausgewählten Anzahl von Aktien für eine größere Streuung. Diese Chancen wurden in den diversifizierten Portfolios der Fonds verwässert, mit Ausnahme derer, die Aktien aktiv handeln.
  6. Die Berichtssaison in den USA war wegen der fehlenden Konsistenz zwischen den Kursen von Aktien und deren Gewinnentwicklung keine Hilfe.

Auch wenn die Ansätze und die Kalibrierung der Modelle unterschiedlich gestaltet sind, wiesen die Fondsrenditen durchweg eine geringe Streuung auf. Zudem korrelieren sie derzeit wieder. Diese Beschränkungen scheinen mehrheitlich zuzutreffen. Ihre Handelsbedingungen sind in unseren Augen weiterhin durchwachsen, und ihr wesentliches Risiko liegt in ihrem erhöhten Verschuldungsgrad. Wir halten an einer relativen Untergewichtung fest.