Hochprozentige Geldanlage Finanz-Karriere: Vom Fondsvertrieb in den Whisky-Handel

Frank Jerger vor einem Whisky-Regal in seinem Laden.

Frank Jerger vor einem Whisky-Regal in seinem Laden.

Donnerstagsabends gibt es in dem kleinen Laden von Frank Jerger Neues zu entdecken. Beim Whisky-Tasting: Jeder Gast bekommt sechs edle Tropfen kredenzt. Immer 20 Zentiliter, was man auch einen Einfachen nennt. Zum Probieren und vielleicht auch zum Verlieben.

 Jerger ist ein gemütlich und freundlich wirkender Mann mit hoher Stirn und angenehm weicher Stimme. Sein Laden liegt in der Fahrgasse in Frankfurt und heißt „Whisky for Life“. Drinnen ist es schummerig, Lampen an den Regalen lassen die Flaschen mit ihren hochprozentigen Inhalten schimmern.

Kein Eis und keine Cola

Wenn der Ladenbesitzer über Whisky spricht, klingt das wie aus einem Wellness-Report. „Den ersten Schluck sollte man immer pur nehmen und dann erst einmal wirken lassen“, empfiehlt er und erklärt, dass ein paar Tropfen Wasser den Whisky aber „erst richtig aufbrechen“.

Dann lösen sich die ätherischen Öle, und weitere Aromen erscheinen. Andere Sachen kommen ihm übrigens nicht ins Getränk: „Sie finden hier kein Eis und keine Cola.“ Ebenso konsequent ist seine Einstellung zum Trinken. „Etwas einfach wegzusaufen ist nicht mein Ding“, stellt er klar.

Whisky als Slow-Getränk

Whisky ist für ihn ein sogenanntes Slow-Getränk, etwas zum Genießen für die besonders guten und die schlechteren Momente im Leben, weniger für die normalen. Auf den oberen Regalen steht Jergers private Brand-Sammlung. Keine Frage, hier hat einer seine Leidenschaft zum Beruf gemacht.

Die Entscheidung fällte er im Sommerurlaub 2013. Damals arbeitete er noch als Vertriebsleiter in Süddeutschland bei der Fondsgesellschaft Blackrock und war viel unterwegs. „Das hat Spaß gemacht.

10 Prozent Wertsteigerung

 Aber der Markt hatte sich auch stark verändert und war bürokratischer geworden“, berichtet Jerger. Bürokram und behördlicher Kontrollwahn lagen ihm nicht, also stellte sich irgendwann die Frage, wie es am besten weiterginge. Es folgte ein einvernehmlicher Abschied, und Jerger warb sogar seinen eigenen Nachfolger an.

Heute besitzt er Flaschen und Fässer, alles auf eigene Rechnung gekauft. „Die Ware hat kein Verfallsdatum und wird jedes Jahr 5 oder 10 Prozent mehr wert. Das ist doch prima.“