Höher hinaus So gelingen Altersvorsorge und Ruhestandsplanung in der Niedrigzinsphase

Gipfelstürmer in Areches-Beaufort. Foto: Getty Images

Gipfelstürmer in Areches-Beaufort. Foto: Getty Images

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Fast jeder weiß es, doch handelt nicht jeder danach: Die gesetzliche Rente wird im Alter fast immer nur so bemessen sein, dass man den Gürtel enger schnallen muss. So ergab eine aktuelle Umfrage von Price Waterhouse Coopers (PWC), dass nur 2 Prozent der Arbeitnehmer erwarten, dass die gesetzliche Rente im Alter ihr benötigtes Einkommen abdecken wird. Gleichzeitig geben nur knapp über 40 Prozent an, ausreichende Schritte unternommen zu haben, um diese Lücke zu schließen.

Vielfach mag dies auch daran liegen, dass die Arbeitnehmer nicht gut genug informiert sind, um das Thema Altersvorsorge aktiv anzugehen: So gab jeder dritte Befragte an, dass er keine konkrete Vorstellung von der Höhe seiner gesetzlichen Rentenansprüche hat – und so lässt sich der erforderliche Sparbedarf nur schwer ermitteln.

Erschwerend kommt hinzu, dass der erforderliche Sparaufwand oftmals zu hocheingeschätzt wird, was viele Arbeitnehmer davon abhalten dürfte, aktiv zu werden. So hatte PWC den Studienteilnehmern die Frage gestellt, wie hoch sie den monatlichen Beitrag eines heute 30-Jährigen einschätzen, den er zu aktuellen Marktkonditionen bis zum 65. Lebensjahreinzahlen müsste, um eine lebenslang garantierte Monatsrente von 250 Euro zu erhalten. Im Durchschnitt schätzten die Befragten den Betrag auf 237 Euro – tatsächlich sind es jedoch 140, also rund 40 Prozent weniger. Vielfach dürfte diese Fehleinschätzung dazu führen, dass so mancher glaubt, sich eine private Altersvorsorge gar nicht leisten zu können.

Der Beratungsbedarf ist also enorm, worauf auch die Tatsache hinweist, dass die Deutschen trotz magerer Zinsen ihr Geld allzugern auf Tagesgeldkonten parken: Rund eine Billion Euro steckt laut Bundesbank-Statistik in dieser unrentablen Anlageform. Wer fürs Alter vorsorgen will, muss jedoch andere Wege gehen, um genügend Kapital aufzubauen.

Große Produktpalette
Das Produktangebot ist auf jeden Fall umfangreichgenug, um für jedes Risikoprofil eine passende Lösung zu finden. Insbesondere die staatlich geförderten Altersvorsorgekonzepte kommen für eher risikoaverse Kunden in Betracht, da Garantien zum Konzept gehören und ein Teil der Rendite im Form von Zulagen oder Steuervorteilen erzielt wird. Diese ist wiederum unabhängig von der Lage an den Finanzmärkten.

Orientierungshilfe für eine fundierte Beratung bieten unter anderem die Analysen, die das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) laufend zu Produkten der Altersvorsorge durchführt. Zu den Klassikern der ungeförderten Altersvorsorge gehört die private Rentenversicherung. Die Anzahl der Verträge stieg in den vergangenen Jahren um rund 2 Prozent per annum, derzeit gibt es knapp 40 Millionen Verträge. „Da aufgrund der aktuellen Niedrigzinsphase dringend mehr für das Alter beiseitegelegt werden sollte, reicht diese Zahl jedoch nicht aus“, so die Einschätzung von Michael Hauer, Geschäftsführer des IVFP.

Das Institut analysiert regelmäßig die privaten Rentenversicherungen am Markt. Die jüngste Untersuchung, die 159 Tarife von 58 Anbietern umfasst, zeigt nun auch die Auswirkungen des Lebensversicherungs-Reformgesetzes (LVRG). Es sieht die Senkung des Höchstzillmersatzes und des Höchstrechnungszinses sowie den Effektivkostenausweis und überarbeitete Informationspflichten vor.

„Die Untersuchungen zeigen erwartungsgemäß, dass die Rückkaufswerte vor allem nach den ersten fünf Jahren im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind“, erläutert Hauer und verweist auf die Absenkung des Höchstzillmersatzes von 40 auf 25 Promille. Dies gelte für die prognostizierten Werte sowohl der klassischen wie auch der fondsgebundenen Produkte. Als uneinheitlich bezeichnet er hingegen die Ergebnisse für die Entwicklung der Rückkaufswerte nach 20 Jahren.

Angesichts der Niedrigzinsen bieten traditionelle Rentenpolicen derzeit nur noch schmale Renditen. „Fondspolicen sind daher immer mehr zu empfehlen“, so Hauer. Sind bei Fondspolicen ETFs hinterlegt, könne mit diesen die Kostenbelastung beachtlich gesenkt werden, was durch den Effektivkostenausweis nun stärker zutage trete.

„Unsere Analyse zeigt, dass knapp 42 Prozent der Versicherer diese kostenreduzierte Anlage als Option anbieten, bei 24 Prozent haben Kunden die Wahl zwischen mehr als vier ETFs“, so Hauer. Gegenstand der Untersuchung war auch die Frage, inwieweit die Effektivkosten gemäß dem Verhaltenskodex des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) dargestellt wurden: „Bei 65 Prozent der klassischen und bei 60 Prozent der fondsgebundenen Policen wurden diese Empfehlungen umgesetzt. Die Versicherer sind hier also auf einem guten Weg“, berichtet Hauer.