Höhere Volatilität Weckruf für Investoren erklungen

 Pascal Blanqué (l.) und Vincent Mortier von Amundi Asset Management: „Strukturelle Absicherung spielt bei Multi-Asset weiterhin Schlüsselrolle.“ | © Amundi AM

Pascal Blanqué (l.) und Vincent Mortier von Amundi Asset Management: „Strukturelle Absicherung spielt bei Multi-Asset weiterhin Schlüsselrolle.“ Foto: Amundi AM

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Die Marktkorrektur hat die in den letzten Monaten auf den Finanzmärkten festzustellende Selbstzufriedenheit zum Teil beseitigt. Der Grund sind zwar hauptsächlich technische Faktoren wie etwa die Abwicklung von Positionen in spezialisierten Fonds mit kurzfristiger Volatilität. Doch wir sollten andere Faktoren nicht unterschätzen, die möglicherweise ein neues Kapitel auf den Finanzmärkten markieren werden.

Der Finanzzyklus erreicht nach einem ausgedehnten Bullenmarkt für Risikoanlagen einen zunehmenden Reifegrad; eine Neubewertung der Inflationserwartung ist im vollen Gange. So gibt es etwa in den USA Anzeichen für eine Lohninflation in einer Wirtschaft, die mit Vollbeschäftigung läuft und durch kräftige fiskalpolitische Anreize befeuert wird. Während die Zentralbanken etwaige Risiken für die Finanzmarktstabilität im Auge behalten müssen, wird die Zurücknahme einer übermäßig akkommodierenden Geldpolitik voraussichtlich weitergehen – mit Unterschieden zwischen den einzelnen Zentralbanken, was das Tempo angeht.

Für einen Einstieg besser noch abwarten

Im Zuge dieses Prozesses werden die Rahmenbedingungen restriktiver, was potenziell zu höherer Marktvolatilität führt. Die aktuelle Marktkorrektur steht unserer Meinung nach nicht in Zusammenhang mit Rezessionsängsten: Der Wirtschaftsausblick stützt weiterhin steigende Gewinne je Aktie, und einige günstige Voraussetzungen wie eine Belebung der Investitionsausgaben und ein anziehender Welthandel begünstigen unter Umständen eine Verlängerung des Konjunkturzyklus. Wir sehen dies jedoch noch nicht als Einstiegspunkt: Es ist noch zu früh, Chancen zu ergreifen, da die Korrektur begrenzt und unvollständig ausfällt. Zudem betrifft sie nicht den Credit-Markt.

Es lässt sich auch noch nicht sagen, ob wir gerade einen Wechsel der Rahmenbedingungen bei den Fundamentaldaten erleben, das heißt eine strukturell höhere Inflation. Außerdem sind die Bewertungen zwar niedriger als vor einem Monat, aber immer noch hoch, insbesondere auf dem Credit-Markt. Sie bleiben anfällig gegenüber jeglichem Anziehen der Inflationsdaten, was zu einer weiteren schnellen Neubewertung von Zentralbankmaßnahmen beitragen dürfte. Wie wir gesehen haben, könnte die Fähigkeit der Märkte, höhere Zinsen zu absorbieren, begrenzt sein. Aus unserer Sicht sind Renditen von 3 Prozent auf zehnjährige US-Staatsanleihen ein Warnsignal und 3,5 Prozent eindeutig eine Alarmschwelle. Wird dieses Niveau zu schnell erreicht, kann es wahrscheinlich nicht aufrechterhalten werden, ohne dass es eine zweite Welle von Marktkorrekturen gäbe.

Dies kann unserer Meinung nach nicht ausgeschlossen werden. Höhere Zinsen würden sich, sollten sie schnell und aggressiv steigen, auf die Bewertung der Anlageklassen auswirken und Druck auf Anleihen einiger verschuldeter Unternehmen, auf Unternehmensgewinne und Schwellenländer-Assets ausüben. Die Marktliquidität wird dabei ein entscheidender Faktor sein. Der Weckruf sollte als Gelegenheit zur Überprüfung von Portfolios genutzt werden, da ein Übergang in ein neues Regime stattfindet. Hier wird die Volatilität nicht extrem sein, jedoch höher als die 2017 erreichten Niveaus, und die Zinsen werden weiter nach oben tendieren.