House View Die Gegensätze in der globalen Wirtschaft verschärfen sich

Europäische Zentralbank in Frankfurt: Dank den verbesserten Finanzbedingungen ist Europa zurück auf dem Wachstumskurs. (Foto: Getty Images)

Europäische Zentralbank in Frankfurt: Dank den verbesserten Finanzbedingungen ist Europa zurück auf dem Wachstumskurs. (Foto: Getty Images)

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Im Jahresverlauf 2015 werden die Divergenzen in der globalen Wirtschaft allmählich immer deutlicher. Die entwickelten Volkswirtschaften führen den Aufschwung an, allen voran die USA, aber auch Europa ist aufgrund verbesserter Finanzbedingungen zurück auf Wachstumskurs. So könnte der knappere US-Arbeitsmarkt die US-Notenbank dazu bewegen, eine Anhebung der Zinsen noch vor Ende des Jahres in Erwägung zu ziehen. Dies unterstützt unsere Haltung zugunsten des US-Dollars. Auf der anderen Seite wirkt sich die Schwäche einiger führender Schwellenländer wie China und Brasilien auf die Rohstoffpreise und somit auf die Gesamtinflation aus.

Europäische und japanische Aktien weiterhin beliebt

Wir verbleiben bei unserer optimistischen Einschätzung der Aktien- und Immobilienmärkte, jedoch haben wir angesichts der Bewertungen die Risikokomponente in unseren Multi-Asset-Portfolios seit Anfang des Jahres leicht reduziert. Innerhalb des Aktienbereichs favorisieren wir europäische und japanische Werte gegenüber US-amerikanischen, da diese in der aktuellen Phase des Zyklus von günstigeren Rahmenbedingungen für Unternehmensgewinne profitieren dürften. In Hinblick auf Anlagen aus Großbritannien, den asiatischen Industrieländern sowie den Schwellenländern nehmen wir eine neutrale Position ein, da Letztere in der Regel in Zeiten eines starken US-Dollars und schwacher Rohstoffpreise unterdurchschnittlich abschneiden.

Bei den festverzinslichen Anlagen halten wir auch weiterhin Ausschau nach Renditechancen. In unserem Engagement in Unternehmensanleihen sind wir zu einer neutralen Gewichtung übergegangen da die derzeitige Spreadeinengung ein selektives Vorgehen beim Kauf notwendig macht. Hohe Bewertungen bedeuten eine Untergewichtung oder neutrale Position in den meisten Staatsanleihen. Ausgenommen ist die Übergewichtung von Staatsanleihen europäischer Märkte, die von verschieden Faktoren profitieren. Unterdessen favorisieren wir auch weiterhin Immobilienwerte, wobei die Bewertungen einen Wechsel zu günstigeren Märkten fördern, und profitieren somit von einer attraktiven Mischung aus Wachstumschancen und Renditen.



Der Investmentprozess von Standard Life Investments

Risiken

US-Staatsanleihen: Untergewichten

Die gute konjunkturelle Lage der US-Wirtschaft, insbesondere ein engerer Arbeitsmarkt, dürfte die US-Notenbank (Fed) in die Lage versetzen, die Zinsen in der zweiten Jahreshälfte von 2015 allmählich wieder anzuheben. Allerdings wird sie mit Hilfe der Forward Guidance das Tempo der Renditeentwicklung unter Kontrolle halten.

Europäische Anleihen: Übergewichten

Das von niedriger Inflation, moderatem Wirtschaftswachstum und quantitativen Lockerungsmaßnahmen (QE) gekennzeichnete Umfeld wirkt sich stützend auf die Kurse europäischer Anleihen aus. Dadurch, dass die griechische Schuldensituation zumindest teilweise gelöst wurde, ließ der Druck auf Peripherie-Anleihen vorübergehend nach.

Britische Staatsanleihen (Gilts): Neutral

Die Anlageklasse reagiert anfällig auf eine Erhöhung der Zinssätze, während das Wirtschaftswachstum stabil bleibt. Ein kontrollierbarer Inflationsdruck sowie Maßnahmen der britischen Zentralbank können sich stützend auf steigende Anleiherenditen auswirken.

Japanische Anleihen: Untergewichten

Die langfristigen Inflationsaussichten verschlechtern sich angesichts der Reflationsbestrebungen der japanischen Regierung zunehmend. Das umfangreiche Programm der japanischen Zentralbank für den Aufkauf von Staatsanleihen sollte jedoch einen übermäßigen Anstieg der Renditen verhindern.

Globale inflationsgeschütze Anleihen: Neutral

Obwohl der Inflationstrend in vielen entwickelten Volkswirtschaften gemäßigt verläuft, müssen die Bewertungen sorgfältig analysiert werden. Die ultralockere Geldpolitik und die dadurch geförderte Inflation sorgen auch weiterhin für Verunsicherung bei den Anlegern.

Globale Emerging-Markets-Anleihen: Übergewichten/Neutral

Aufgrund besser bewerteter Spreads sollten auf US-Dollar lautende Anleihen übergewichtet werden. Dagegen besteht eine neutrale Gewichtung bei auf Landeswährung lautenden Anleihen, da sie eine sorgfältige Analyse der einzelnen Währungen und Spread-Faktoren erfordern.

Unternehmensanleihen

Investment Grade-Anleihen: Neutral

US-Kreditspreads weiteten sich erheblich aus, wodurch eine attraktive Möglichkeit aufgrund von sehr niedrig rentierenden US-Staatsanleihen geschaffen wurde. Europäische Unternehmensanleihen profitieren von einer Verbesserung der Cashflows, sind jedoch teuer.

Hochzinsanleihen: Neutral

Der überfüllte fremdfinanzierte US-Markt birgt die Gefahr einer Ausstiegswelle sobald es zu einer Verschärfung der Geldpolitik durch die US-Notenbank kommt. Der europäische Anleihemarkt wird von Renditejägern gestützt, ist jedoch anfällig für systemische Risiken.