HSBC-Experte im Interview Christian Heger: „Schwellenländer stehen wieder auf unserer Kaufliste“

HSBC-Chefanlagestratege Christian Heger

HSBC-Chefanlagestratege Christian Heger

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DAS INVESTMENT.com: Bei Aktien waren Sie lange im Hab-Acht-Modus. Nun werden Sie bei der Aktienquote mutiger. Warum?

Christian Heger: Solange die Bewertung keine Überhitzung anzeigt, ist auch der langfristige Aufschwung für risikotragende Anlagen nicht beendet. Zumindest an den meisten Aktienmärkten nicht. Hinzu kommt eine mit den aktuellen geopolitischen Spannungen einhergehende Konsolidierung. Wir rechnen mit Zukaufgelegenheiten und haben die Aktienquote wieder auf „Übergewichten“ angehoben.

Was bedeutet der schwächelnde US-Dollar für Anleger?

Heger: Aktien haben noch Luft nach oben. Dazu trägt die aktuelle Schwäche des Dollars bei, die beispielsweise die Gewinnsituation amerikanischer Unternehmen verbessert und damit die angespannte Bewertung in den USA. Aber auch die Emerging Markets profitieren. Auf der Suche nach mehr Rendite strömen Gelder aus dem Dollar-Raum in Emerging-Markets-Währungen. Das unterstützt den dortigen Zinssenkungsprozess. Gleichzeitig können in US-Dollar verschuldete Schwellenländer-Unternehmen noch leichter ihre Schulden abbauen.

Viele Schwellenländer haben holprige Zeiten hinter sich. Ist das nun vorbei?

Heger: Wie gesagt, die Emerging Markets profitieren vom aktuellen Umfeld. Das macht sie grundsätzlich interessant. Anleger sollten bei Käufen neben unseren alten Favoriten Europa und Japan daher vor allem die Emerging Markets im Auge behalten.

Der Blick auf die Weltkonjunktur zeigt, dass die Phase der höchsten Dynamik vorbei sein dürfte. In den USA und in der Eurozone haben sich die Stimmungsindikatoren abgekühlt. Was erwartet uns?

Heger: Auch in China kündigen Umfragen unter den Firmen eine ruhigere Gangart an. Als Vorboten einer Rezession reichen diese Anzeichen aber nicht. Fast unbemerkt haben die Rohstoffmärkte ihre Kursdelle vom Frühjahr wettgemacht. Rohstoffabhängige Länder haben wieder Rückenwind und können über Zinssenkungen die Binnenkonjunktur ankurbeln. Gleichzeitig wird durch eine gute Weltkonjunktur und die positive Gewinnsituation der Unternehmen ein kleiner weltweiter Investitionszyklus in Gang gesetzt.

In Summe dürfte die Lage für die Nachhaltigkeit des Aufschwungs positiv sein. Es drohen keine Überhitzungen, und trotz praktisch ausgelasteter Arbeitsmärkte in vielen Ländern ist die Inflation so gut wie überall gezähmt.

Welche Faktoren lassen die globale Konjunktur wachsen?

Heger: Neben dem bereits expansiven Konsum tragen sowohl in den USA als auch in der Eurozone beispielsweise die Investitionen in Maschinen und technische Anlagen für die Produktion immer stärker zum Wachstum bei. Die jüngste Prognose des Internationalen Währungsfonds von drei Prozent Weltwirtschaftswachstum für 2017 und 2018 bleibt realistisch. Allerdings reicht die Kraft nicht aus, das Niveau von vor der Finanzkrise zu erreichen.