Hüfners Wochenkommentar 4 Gründe, warum Anleger derzeit optimistisch sein können

Martin Hüfner ist Chefökonom des Asset Managers Assenagon

Martin Hüfner ist Chefökonom des Asset Managers Assenagon

In den letzten zwei Monaten war ich mit meinen Kollegen in verschiedenen Städten Deutschlands, der Schweiz und Österreich auf Roadshow. Wir haben mit vielen Kunden über die Lage nach dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten diskutiert. Meine These, dass in den nächsten Monaten sowohl das Wachstum als auch die Inflation und die Zinsen steigen würden, wurde von vielen Kunden akzeptiert. Eigentlich müsste das auch für die Aktien positiv sein.

Hier gab es aber skeptische Stimmen. Könnte es nicht sein, dass es nach dem Anstieg in den letzten Monaten doch zu einem Rückschlag kommt? Niemand hat das richtig begründet. Aber viele hatten ein ungutes Gefühl. Ist das gerechtfertigt?

Fundamental sicher nicht. Hier ist die Welt in Ordnung. Die Konjunktur läuft. Sie hat sich in den letzten Monaten sowohl in den USA als auch in Europa noch einmal verbessert. Für die EU wurden die Prognosen diese Woche erneut nach oben revidiert. Das wirkt sich auch in den Unternehmensgewinnen aus. Sie lagen im vierten Quartal nach den bisher vorliegenden Ergebnissen in Europa 9 Prozent über dem Vorjahr, im Euroraum sogar 12 Prozent. Das ist in dem gegebenen gesamtwirtschaftlichen Umfeld sehr viel.

Spareinlagen gehen zurück

Deutschland, in Mrd. Euro

Quelle: Hüfner/Bundesbank; Daten von 1. Januar 2010 – 1. Juli 2016

Hinzu kommt: Je mehr die Preissteigerung bei unverändert niedrigen Zinsen zunimmt, umso schwieriger wird die Lage der Anleger. Bei Festverzinslichen verlieren sie schon jetzt Geld. Damit steigt der Druck, Aktien zu kaufen. Die Spareinlagen sind in Deutschland zwar noch hoch, sie gehen aber zurück (Grafik).

All das spricht dafür, dass sich die Aufwärtsentwicklung an den Börsen fortsetzt. In den vergangenen dreißig Jahren ist der Dax mit wenigen Unterbrechungen gestiegen. Im Durchschnitt betrug das Kursplus 9 Prozent pro Jahr (alle Rückschläge mit eingerechnet). Warum sollte das nicht so weitergehen?

Das ist aber nur die eine Seite. Dagegen steht das ungute Gefühl der Anleger. Es ist nicht eingebildet, sondern hat gute Gründe. Noch selten waren die Unsicherheiten in der Welt so groß. Sie reichen von den überraschenden Aktionen des amerikanischen Präsidenten, den Spannungen im Euro im Zusammenhang mit Griechenland, dem Brexit und den riesigen Ungleichgewichten im europäischen Zahlungssystem bis hin zu den bevorstehenden Wahlen in Europa.