Hüfners Wochenkommentar Die Verschwörung gegen Europa

Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assenagon Asset Management

Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assenagon Asset Management

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Europa hat mit den spektakulären Maßnahmen der EZB in der letzten Woche Schlagzeilen gemacht. Die Stimmung der Menschen hat sich dadurch aber nicht gebessert. Zum Teil haben sie Angst vor dem, was mit dem vielen Geld jetzt alles passieren könnte. Zum Teil fühlen sich viele nach wie vor als Kellerkinder der Weltwirtschaft. Wird das so bleiben?

Im Augenblick sieht es so aus. Manchmal hat man in der Tat den Eindruck, als habe sich die Welt gegen Europa verschworen. Auf einmal scheint alles schief zu gehen. In der letzten Woche hat der Internationale Währungsfonds seine neue Prognose über die Entwicklung der Weltwirtschaft vorgelegt. Danach wachsen die Vereinigten Staaten in diesem Jahr mit 3,6 Prozent fast drei Mal so schnell wie Deutschland (1,3 Prozent) oder der Euroraum (1,2 Prozent). Im Konjunkturzyklus hinken die Europäer weit hinter den USA her (siehe Grafik).



Die sinkenden Ölpreise erhöhen zwar die Kaufkraft. Sie machen die Position der Europäer in der Welt aber noch schlechter. Die Amerikaner, die mehr Auto fahren und nicht so sparsam mit Energie umgehen, profitieren vom Ölpreisverfall fast doppelt so stark wie die Europäer.

In der Währungsunion ist der kurze "Honeymoon" der letzten zwei Jahre vorbei. In Griechenland wird nach den Wahlen neu über Reformen und Schulden verhandelt. In Italien und Frankreich kommt die Konsolidierung nicht voran. In Spanien stehen Wahlen an. Überall gibt es wachsende europakritische Bewegungen.

Die geopolitischen Probleme im Nahen Osten und in der Ukraine belasten die Europäer wegen der geografischen Nähe mehr als andere.

Die meisten sagen, dass Europa nur aus dem Tal kommt, wenn es seine Volkswirtschaften neu aufstellt und die Wettbewerbsfähigkeit erhöht. Da sie berechtigte Zweifel hegen, dass das geschieht und da das vor allem lang dauern wird, bleiben sie pessimistisch. Ich teile diese Meinung. Natürlich führt für eine dauerhafte Stärkung Europas nichts an Reformen vorbei.