Hüfners Wochenkommentar „Populismus schadet den Finanzmärkten“

Ray Dalio (r.): Der Bridgewater-Gründer diskutierte bei einer Konferenz in New York mit dem Journalisten Andrew Ross Sorkin über die Lage am Kapitalmarkt. | © Getty Images

Ray Dalio (r.): Der Bridgewater-Gründer diskutierte bei einer Konferenz in New York mit dem Journalisten Andrew Ross Sorkin über die Lage am Kapitalmarkt. Foto: Getty Images

Martin Hüfner, Chefökonom der Assenagon Asset Management mit Hauptsitz in Luxemburg

Ray Dalio ist einer der reichsten Männer Amerikas. Er hat den Hedgefonds Bridgewater gegründet, der zu den erfolgreichsten der Branche gehört. Er interessiert sich aber nicht nur für Geld. Er ist auch ein politischer Mensch. Im letzten Jahr veröffentlichte er in den „Daily Observations“ seines Hauses eine umfangreiche Studie zum Thema Populismus.

Darin schreibt er gleich zu Beginn, dass das „eines der Phänomene ist, das in größerem Umfang einmal im Leben auftritt – wie Pandemien, Depressionen oder Kriege“. Eigentlich würde man so etwas im Leben gerne überspringen. Geht aber leider nicht. Wir stehen gerade wieder vor einer solchen Zeit. Rund um die Welt vollzieht sich ein Tsunami populistischer Tendenzen.

Amerika hat mit Trump einen populistischen Präsidenten. Europa hat den Brexit, der von Populisten betrieben wurde. In Polen und Ungarn sind populistische Parteien an der Regierung. In Frankreich konnte eine Mehrheit des Front National gerade noch verhindert werden. In Deutschland gibt es die AfD, in Italien Cinque Stelle, in Spanien Podemos und in Österreich die FPÖ. Auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern gibt es Populisten, etwa in Venezuela, der Türkei oder den Philippinen.

Der Tsunami des Populismus

Stimmenanteil populistischer Parteien in den Industrieländern Quelle: Bridgewater; Grafik: Assenagon

Erschreckend ist das Tempo des Vormarsches des Populismus. Die Grafik, die aus der Studie von Bridgewater stammt, zeigt den Stimmenanteil populistischer Parteien bei den allgemeinen Wahlen in den Industrieländern. Während der gesamten Nachkriegszeit war dieser Anteil relativ gering. Er schwankte um die 10 Prozent bis 15 Prozent (mit gewissen Ausreißern Anfang der 70er und der 90er Jahre). Das war ungefährlich.

In letzter Zeit ist er aber geradezu nach oben geschossen. Zuletzt lag er bei 35 Prozent. Das ist wie ein Tsunami. Wohin man schaut, sprießen populistische Tendenzen. Besonders nachdenklich macht die linke Hälfte der Grafik. Sie zeigt die Stimmenanteile populistischer Parteien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In den 30er Jahren ging der Populismus genauso wie heute nach oben. Wir alle wissen, was daraus wurde.