Hüfners Wochenkommentar Risiko „Frexit“: Wenn Frankreich aus dem Euro austräte...

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Martin Hüfner, Chefvolkswirt der Vermögensverwaltung Assenagon Asset Management

Das größte politische Risiko auf den Kapitalmärkten in Europa ist derzeit die Präsidentschaftswahl in Frankreich. Die Märkte haben Angst, in Paris könnte Ähnliches passieren, was vor knapp einem Jahr in London geschah: Die Franzosen würden sich dafür entscheiden, aus der EU (und damit aus dem Euro) auszutreten.

Das ist zwar sehr unwahrscheinlich. Denn davor liegen nicht nur eine, sondern zwei Hürden. Die eine ist, dass Frau Le Pen Präsidentin wird. Die zweite ist, dass es zu einem Referendum kommt und sich die Franzosen gegen Europa entscheiden. Beides ist schwer vorstellbar. Aber am Kapitalmarkt, wie überall sonst, sollte man niemals nie sagen.

Größter anzunehmender Unfall

Was würde passieren, wenn der Fall doch eintritt? Könnte es so ausgehen wie beim Brexit oder bei Trump? Die Märkte hatten beides als Risiken eingeschätzt. Als es eintrat, haben sie sich aber rasch mit den Fakten arrangiert und am Ende sogar mit Kurssteigerungen reagiert.

Bei einem Austritt Frankreichs kann man auf so etwas nicht hoffen. Es käme im Gegenteil zum größten anzunehmenden Unfall für die Gemeinschaft und ihre Mitglieder. Er wäre schlimmer als alles, was wir bisher in der Union erlebt haben.

Euro-Mitgliedsstaaten: Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Billionen Euro

Quelle: Eurostat ; Grafik: Assenagon

Zweitgrößte Volkswirtschaft

Das Wichtigste: Wenn Frankreich die EU und den Euro verlassen würde, würden beide Institutionen zerbrechen, nicht sofort, aber als langfristige Konsequenz. Denn Frankreich ist die zweitgrößte Volkswirtschaft des Euroraums. Ohne das Land blieben als größere Volkswirtschaften neben Deutschland nur noch Italien, Spanien und die Niederlande. Das deutsche Sozialprodukt ist dabei größer als das von Italien und Spanien zusammengenommen. Das ist keine Grundlage für eine auf dem Gleichgewicht der Kräfte basierende Union.

Der Binnenmarkt und die Währungsunion müssten auf Dauer durch neue Systeme ersetzt werden. Der Handel wäre mit Sicherheit nicht mehr so frei wie bisher. Das würde das Wachstum verringern. Im Währungsbereich würden sich vermutlich neue Blöcke bilden. Einer wäre vielleicht ein DM-Block, dem dann auch Österreich, die Niederlande und einige andere angehören würden. Ein anderer könnten die südeuropäischen Staaten Italien, Spanien und Portugal sein sowie einige kleinere Mitglieder. Ob Frankreich alleine bleibt oder sich dem Süd-Block anschließt, ist schwer zu sagen.