Hüfners Wochenkommentar Schlecht für Arbeitnehmer, günstig für Anleger

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Martin Hüfner

Es gibt ein Paradox, das mich bei der Betrachtung des wirtschaftlichen Umfeldes immer wieder umtreibt. Wie kann es sein, dass die Arbeitslosigkeit permanent zurückgeht und die Unternehmen händeringend Personal suchen, die Löhne aber nach wie vor nur sehr maßvoll steigen? Im April ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gefallen. Die Nominallöhne erhöhen sich aber laut den Zahlen der Bundesbank lediglich um 2,5 %. Das ist real fast gar nichts. 

Diese Situation widerspricht allen Erkenntnissen der traditionellen volkswirtschaftlichen Theorie. Danach verbessert sich bei günstigerer Konjunktur und sinkender Arbeitslosigkeit die Verhandlungsposition der Gewerkschaften. Sie fordern höhere Löhne. Die Unternehmen sind bereit sie zu zahlen, weil sie mehr Personal brauchen und durch höhere Produktion mehr verdienen können. Die sogenannte Phillipskurve beschreibt diesen Zusammenhang. Sie ist unter Ökonomen weitgehend unbestritten.

Löhne und Arbeitslosigkeit im Vergleich

Quelle: Hüfner/ Bundesbank

Wenn man sich die Entwicklung in den letzten 20 Jahren anschaut, dann sieht die Welt aber ganz anders aus. Zwischen der Entwicklung von Löhnen und Arbeitslosigkeit scheint auf den ersten Blick fast gar kein Zusammenhang zu bestehen. Die Korrelation beträgt gerade mal -0,3.