Hüfners Wochenkommentar „Unter dieser Bedingung wird Frankreich für Anleger interessant“

Martin Hüfner

Wenn ich an Frankreich denke, habe ich zwei Bilder im Kopf. Das eine ist das, über das heute alle reden. Ein Land, in dem die Menschen wissen, dass es Reformen geben muss, aber niemand da ist, der sie realisiert. Das Wirtschaftswachstum ist schwach. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Die Arbeitszeit beträgt nur 35 Stunden pro Woche. Die Regierung schafft es nicht, das öffentliche Defizit auf unter 3 % zu drücken. Wenn der Euro heute in eine Nord- und in eine Südwährung zerbrechen würde, dann würde man Frankreich dem Süden zurechnen.

Das zweite Bild ist ganz anders. Es zeigt ein Land, das über viele Jahrzehnte die Welt mit wirtschaftlichen Innovationen überraschte. Es war das erste, das einen Hochgeschwindigkeitszug entwickelte (den sogenannten TGV). Es baute mit der Concorde das erste Passagierflugzeug, das im Linienverkehr schneller als der Schall flog. Es begeisterte die Menschen mit kreativer Architektur. Es ist weltweit führend in der Luxusindustrie. Es steht vorne in der Chemie- und Pharmaindustrie.

Beim Wachstum lange vorn

Was viele nicht wissen: In der Nachkriegszeit hat es Deutschland beim Wachstum lange Zeit abgehängt. Von 1980 bis 2007 nahm seine Wirtschaftsleistung im Schnitt um 2,2 % p. a. zu, verglichen mit 1,7 % p. a. in der Bundesrepublik. Erst seit der großen Finanzkrise ist Frankreich zurückgefallen. Seitdem lag das durchschnittliche Wachstum nur noch bei 0,7 % p. a., in Deutschland bei 1,2 % p. a.

Deutscher Leitindex Dax und französischer Cac 40 seit 1991

Quelle: yahoo.de, Deutsche Bundesbank
Daten von Januar 1991 – März 2017

Selbst im monetären Bereich stand Frankreich lange Zeit bemerkenswert gut da. Es betrieb unter Präsident Mitterand eine Politik des "Franc fort". Kernstücke waren eine rigorose Inflationsbekämpfung, ein ausgeglichener Staatshaushalt und eine Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, um auf den Weltmärkten mit den Deutschen mitzuhalten. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Es hat an den Devisenmärkten aber lange funktioniert.

All das ist in den letzten Jahren durch eine mut- und kraftlose Politik verspielt worden. Ist es denkbar, dass Frankreich auf die alte Größe zurückkommt? Vorstellen kann man es sich, auch wenn es derzeit sehr unwahrscheinlich aussieht.