Hüfners Wochenkommentar Wandel in der Wirtschaftspolitik schlechte Nachricht für Anleger

Assenagon-Chefvolkswirt Martin Hüfner

Assenagon-Chefvolkswirt Martin Hüfner

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Ein Paradigmenwechsel in der Wirtschaftspolitik liegt in der Luft. Die Geldpolitik stößt mit ihren Anleihekäufen und negativen Zinsen zunehmend an Grenzen. Jetzt soll es die Finanzpolitik richten. Wird die Welt dadurch besser?

Im Augenblick ist die Veränderung erst in Ansätzen zu erkennen. Die Geldpolitik weckt nach wie vor Phantasien. Zuletzt waren es das neue Expansionsprogramm der Bank of England sowie die Zinssenkung in Neuseeland in der vorigen Woche. Es ist aber absehbar, dass die Zinsen nicht unendlich viel weiter negativ werden können. Auch die Anleihekaufprogramme können nicht beliebig ausgeweitet werden. Die Bank of England machte in der vorigen Woche die unerwartete Erfahrung, dass sich eine Reihe von Pensionskassen weigerte, ihr ihre Wertpapierbestände selbst bei hohen Preisen zu verkaufen.

Die Finanzpolitik wird aber schon jetzt expansiver. Schauen Sie sich die Grafik an. Sie zeigt, wie die Staatsverschuldung in den USA nach der vorübergehenden Pause in den Jahren 2013 und 2014 wieder deutlich ansteigt. Sie hat sich in den letzten zwölf Monaten von 102 Prozent auf 105 Prozent des BIP ausgeweitet. Das wird sich wohl kaum ändern. Beide Präsidentschaftskandidaten haben in ihrem Wahlprogramm eine aktive Finanzpolitik vorgesehen.



Quelle: Fred

Andere Länder stehen dem nicht nach. Japan hat ein großes Fiskalprogramm von 6 Prozent des BIPs angekündigt. Italien möchte seine Wirtschaft durch staatliche Hilfen ankurbeln. Spanien und Portugal wurden die Strafen für zu hohe öffentliche Defizite erlassen. Selbst in Deutschland wird über Steuersenkungen nachgedacht.

Ich halte den Paradigmenwechsel von der Geld- zur Fiskalpolitik für problematisch. Natürlich haben die Vertreter der Finanzpolitik recht, dass "Deficit Spending" direkter auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und damit auf das Wachstum wirkt. Man muss nicht den Umweg über die Banken gehen. Infrastrukturinvestitionen in Straßen, Brücken, aber auch in Bildung und Sicherheit werden dringend gebraucht. Die Finanzierung von öffentlichen Defiziten ist leichter geworden. Die Anleger brauchen neue Bonds, nachdem die Zentralbanken den Markt für Staatsanleihen leerkaufen.

Es stellen sich aber eine Reihe von grundsätzlichen Fragen. Die Wichtigste: Brauchen wir überhaupt weitere Konjunkturpolitik, wenn die Geldpolitik nicht mehr so aktiv ist? Seit der großen Finanzkrise hat die Wirtschaftspolitik unendlich viel Geld und öffentliche Nachfrage in die Märkte gepumpt. Das war gut. Es hat geholfen, einen größeren Einbruch der wirtschaftlichen Aktivität zu verhindern. Es war aber offenbar nicht geeignet, das Wachstum dauerhaft wieder auf einen vernünftigen Kurs zu bringen. Das wird sich in Zukunft kaum ändern.