Hüfners Wochenkommentar Warum können Banker nicht wie Bäcker sein?

Martin Hüfner

Martin Hüfner

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Eigentlich müssten die Banken so gesund sein wie schon lange nicht mehr. Seit der großen Finanzkrise, also seit mehr als fünf Jahren, wird alles getan, um sie "zu retten".

In dieser Woche wurde das große Gesetzespaket der Bankenunion beschlossen. Trotzdem stehen sie nach wie vor in der Kritik. Da stimmt doch etwas nicht. Könnte es sein, dass wir bei der Gesundung des Bankensektors auf das falsche Pferd setzen? Ja, das glaube ich in der Tat.

Die Maßnahmen, die in den vergangenen Jahren ergriffen wurden, haben zwei Stoßrichtungen. Die eine geht von den Banken selbst aus. Sie hat das Ziel, verloren gegangenes Vertrauen wieder zu gewinnen. Die Deutsche Bank etwa hat sich dazu einem Kulturwandel verschrieben.

Die zweite Stoßrichtung kommt von den Regierungen. Durch verschärfte Vorschriften für die Eigenkapital- und Liquiditätsausstattung, für die Haftung und Abwicklung von Banken und durch eine neue europäische Aufsicht bei der EZB sollen die Banken sicherer werden. Dazu kommen noch detaillierte Richtlinien zum Anlegerschutz und zur Aufstellung der Finanzdienstleister.

Beides ist im Prinzip vernünftig. Objektiv gesehen sind die Banken daher heute besser als noch vor ein paar Jahren. Warum stehen sie dann aber immer noch am Pranger? Zum Teil liegt es daran, dass die Veränderungen Zeit brauchen, bis sie sich voll auswirken. Manche Regulierungen zum Beispiel im Bereich des Anlegerschutzes gehen in ihrer bürokratischen Ausgestaltung vielleicht auch etwas zu weit. Eine Entbürokratisierung wäre sinnvoll.

Bisherige Maßnahmen sind der falsche Ansatz

Das wichtigste aber ist: Die bisherigen Maßnahmen sind der falsche Ansatz. Die Banken müssen nicht mehr reguliert werden. Sie müssen vielmehr zuerst wieder Teil der Marktwirtschaft werden.

In einer Wettbewerbsordnung geht es nicht in erster Linie um Kultur oder um staatliche Vorschriften für einzelne Unternehmen. An oberster Stelle steht der Wettbewerb, vor allem die volle Haftung der Banken für ihr Geschäft. Das ist die Voraussetzung dafür, dass sie als Unternehmen funktionieren.

Das ist es, was dafür sorgt, dass die Banken kundenorientiert sind. Sonst können sie nicht überleben. Das zwingt sie, eine ausreichende Kapitaldecke zu halten. Sonst bekommen sie nicht ausreichende Eigenmittel am Kapitalmarkt. Das muss sie dazu bringen, risikoorientiert zu handeln. Sonst will niemand mit ihnen Geschäft machen. Daran fehlt es bisher.

Natürlich bleibt der Staat dabei nicht untätig. Er soll für stabile Rahmenbedingungen für die Konkurrenz sorgen. Nur wenn die Wettbewerbsmechanismen, die überall sonst funktionieren, nicht greifen, muss er weiter gehen. Jeder weiß, dass es auf den Finanzmärkten aufgrund der Eigenart der dortigen Geschäfte zum Teil schärfere Regeln geben muss.

Es ist zum Beispiel gut, dass der Staat auf höheren Eigenkapitalquoten besteht, als sie sich bisher im Wettbewerb ergeben haben. Das steht dem Grundprinzip aber nicht entgegen.