Hüfners Wochenkommentar Was bedeutet Trump für die Kapitalmärkte

Gegen Globalisierung und Immigration, für nationales Selbstbewusstsein, und in jeder Hinsicht extrovertiert: Donald Trumps Wahlkampf um die US-Präsidentschaft erregt so langsam Aufsehen an den Börsen. Foto: Getty Images

Gegen Globalisierung und Immigration, für nationales Selbstbewusstsein, und in jeder Hinsicht extrovertiert: Donald Trumps Wahlkampf um die US-Präsidentschaft erregt so langsam Aufsehen an den Börsen. Foto: Getty Images

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Neben dem Brexit, der derzeit die Kurse fallen lässt, ist eines der großen Risiken dieses Jahres die Möglichkeit, dass Donald Trump im November amerikanischer Präsident wird. Dieses Risiko ist sogar noch größer. Denn es betrifft nicht nur Großbritannien und Kontinentaleuropa, sondern die USA und die ganze Welt.

Was würde Trump bringen, wenn er gewählt würde?

Es wird oft gesagt, dass Wahljahre in den USA gut für die Börse sind. Das lässt sich durch die Zahlen aber nicht belegen. Im Schnitt der letzten 45 Jahre sind die US-Aktienkurse um 12 Prozent pro Jahr gestiegen. In den Jahren mit Präsidentschaftswahlen lag die Steigerung mit 11,9 Prozent kaum darunter. Es gab Wahljahre mit exorbitanten Kurssteigerungen (plus 27 Prozent als Carter gewählt wurde, plus 34 Prozent bei Ronald Reagan). Es gab aber auch Wahljahre mit katastrophalen Ergebnissen wie 2000, als Georg W. Bush gewann (minus 11 Prozent), oder 2008 bei Obama (minus 38 Prozent). Aus der Vergangenheit kann man also keinen Honig saugen.

Bisher haben die Märkte auf die Perspektive eines möglichen Präsidenten Trump noch nicht reagiert. Der US-Dollar ist nicht schwach geworden. Die Börsen beschäftigen sich mehr mit Brexit. Das liegt zum Teil daran, dass bisher kaum jemand Trump wirklich ernst nahm. Zudem sind es noch fünf Monate bis zu den Wahlen. Es ist auch noch kein Programm einer Präsidentschaft Trump erkennbar. Ich versuche im Folgenden trotzdem, ein paar Punkte zusammenzustellen, die bei einem Präsidenten Trump für die Kapitalmärkte wichtig sein könnten.

Trumps Widerstand gegen Welthandel und Globalisierung

Trump drückte bereits genügend oft seine klare Abneigung gegen ein globalisiertes Amerika aus, welches auf internationale Handelsgeflechte angewiesen ist. Das ist schlecht für die amerikanische Exportindustrie, die in den letzten Jahren so stark aufgeblüht war. Es ist aber auch ein Problem für die Handelspartner Amerikas, vor allem für Europa, Südamerika sowie Japan und Südostasien. Das Wachstum der Welt würde geringer. Der prominente amerikanische Ökonom Larry Summers rechnet bei einem Präsidenten Trump mit einer ausgedehnten Rezession in den USA. Das halte ich aber für übertrieben.

Zum Kapitalverkehr ist Trump wenig präzise


Was mich erschreckt hat, war seine Äußerung, dass man bei den Staatsschulden wie bei Immobilieninsolvenzen an eine Restrukturierung denken könne. Es kann sein, dass das reines Wahlkampfgetöse ist. Wenn es mehr ist, dann wäre das ein sehr sensibler Punkt. Als in den USA 2011 bei den Verhandlungen über eine Schuldenobergrenze die Möglichkeit einer Insolvenz der USA diskutiert wurde, fiel der amerikanische Aktienmarkt um 17 Prozent. Die Drohungen Trumps gegen Mexiko führten dazu, dass sich die Sätze, zu denen sich Mexiko an den internationalen Kapitalmärkten finanzieren kann, verteuert haben.

Unterbindung von Immigration

Eine Konstante in den Äußerungen Trumps ist sein Widerstand gegen Migranten, vor allem gegen die aus Südamerika. Das ist wichtig. Die Vereinigten Staaten verdanken ihren Wohlstand vor allem der Einwanderung von Menschen. Die Forschung lebt davon, dass die USA für Wissenschaftler rund um den Globus ein Dorado sind. Damit wäre es vorbei.