Hüfners Wochenkommentar Was passiert, wenn Deutschland aus dem Euro austritt

Martin Hüfner, Chefökonom von Assenagon

Martin Hüfner, Chefökonom von Assenagon

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Vor ein paar Tagen sprach ich in Wien mit dem Vorstand einer renommierten österreichischen Privatbank über die Probleme in der europäischen Währungsunion. In vielen Punkten waren wir unterschiedlicher Meinung. Schließlich meinte er resignierend (freilich nicht ganz ernst gemeint): Dann bleibt doch nur, dass Deutschland aus dem Euro ausscheidet.

Das ist eine Meinung, die ich in letzter Zeit häufiger höre. Ich vermute, dass sie an Gewicht gewinnen wird, wenn es im Euro zu noch größeren Spannungen kommen sollte und – Gott sei's geklagt – vielleicht sogar ein Mitglied ausscheidet. Es ist daher gut, sich frühzeitig mit den Argumenten vertraut zu machen.

Der Grund für die Idee, sich den Euro ohne Deutschland vorzustellen, ist naheliegend. Die Bundesrepublik gilt im Euro vielfach als Störenfried. Es ist das Land, das am meisten die Einhaltung der Stabilitätskriterien einfordert. Es hat einen riesigen Leistungsbilanzüberschuss. Es ist wettbewerbsfähiger und erfolgreicher auf den internationalen Märkten. Ohne die Deutschen wäre der Wechselkurs des Euros schwächer. Die anderen Länder hätten es leichter auf den Weltmärkten zu konkurrieren. Die Geldpolitik wäre vermutlich noch lockerer. Das Leben wäre für manch einen leichter in Europa.

Deutschland im Mittelfeld

Reales Wachstum des BIPs 2017

Grafik: Hüfner/Prognose der EU-Kommission

So jedenfalls scheint es auf den ersten Blick. Wenn man genauer hinschaut, wird jedoch schnell klar, dass vieles nicht leichter, sondern schwerer würde. Das gilt für die Währungsunion insgesamt, für die Länder, die dann noch im Euro verblieben und auch für Deutschland selbst. Hier acht Gründe dafür.