Hüfners Wochenkommentar Widersprüchliche Signale am Aktienmarkt

Martin Hüfner ist Chefvolkswirt von Assenagon Asset Management.

Martin Hüfner ist Chefvolkswirt von Assenagon Asset Management.

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So groß waren die Schwankungen an den Aktienmärkten selten. In den letzten sechs Wochen fielen die Kurse gemessen am Dax zuerst von 9.800 auf 8.350 (also um 15 Prozent). Anschließend stiegen sie in wenigen Tagen wieder auf über 9.300. Und das nicht etwa bei umsatzarmen Märkten, bei denen man sich auf zufallsbedingte Kursschwankungen herausreden kann.

Was steckt dahinter? Ist es vielleicht ein Zeichen für das Ende der nunmehr bald sechsjährigen Aufwärtsentwicklung? Schauen wir uns die Entwicklung etwas genauer an. Der entscheidende Grund für die Unsicherheit ist, dass die Fundamentalfaktoren insgesamt kein konsistentes, in sich stimmiges Bild vermitteln.

Es gibt zwei Faktoren, die den Markt stützen, und zwei, die ihn belasten. Je nachdem, auf welches Signal die Märkte gerade schauen oder wo sich besondere Bewegungen ergeben, gehen die Kurse entweder nach oben oder nach unten.

Was den Markt stützt ist einmal die Geldpolitik. Die EZB erhöht die ohnehin schon hohe Liquidität und hat die Zinsen bis auf fast Null gesenkt. Monetäre Impulse werden oft unterschätzt. Wie stark sie sein können zeigte sich erneut Ende der letzten Woche. Da löste eine unerwartete Lockerung durch die japanische Notenbank ein wahres Kursfeuerwerk an den weltweiten Börsen aus.

Der zweite positive Faktor ist die gute reale und monetäre Situation in den USA. Die positive Marktstimmung jenseits des Atlantiks schwappt zu uns herüber. Die Unternehmen werden zudem durch die Aufwertung des Dollars entlastet.

Negativ ist die schlechte Konjunktur in Europa. Die Aktienkurse sind damit nicht ausreichend realwirtschaftlich abgesichert. Die Bewertung der Märkte ist zu hoch. Das ist zwar nicht neu. Aber je länger es anhält, umso mehr verunsichert es. Negativ sind schließlich auch die geopolitischen Risiken, die die Märkte und - über die Sanktionen – auch die Unternehmen belasten.

Was die Sache so brisant macht ist, dass sich das Ganze in einer Spätphase des Zyklus und auf einem relativ hohen Niveau der Aktienkurse abspielt. Investoren haben "Höhenangst". Manche warteten in den letzten Wochen förmlich auf eine Korrektur nach unten, bevor sie sich zu Käufen entschlossen.

Ich fürchte, die widersprüchliche Konstellation der Fundamentalfaktoren wird sich nicht so schnell auflösen. Vielleicht wird der Gesamteffekt einen Tick negativer. Konjunktur und Geopolitik werden, so wie es aussieht, auf absehbare Zeit nicht besser. Bei der Geldpolitik wird die EZB zwar noch zulegen.

Es besteht aber die Gefahr, dass die positive Wirkung abnimmt, wenn sich die Märkte daran gewöhnen. Hinzu kommt, dass die Zahl der Kritiker der EZB steigt (vor allem in Deutschland). Auch das wirkt nicht unbedingt beruhigend.

Die US-Konjunktur bleibt zwar weiter unter Dampf. Allerdings fehlen der amerikanischen Wirtschaft die Impulse vom Ausland. Der stärkere Dollar belastet. Hinzu kommt der Gegenwind von der Geldpolitik.

Die Federal Reserve wird 2015 die Zinsen erhöhen. Das belastet nicht nur die USA. Es erschwert auch die Arbeit der EZB. Vermutlich am schlimmsten: Es könnte zu einer Umkehr der internationalen Kapitalströme führen. An den Märkten geht die Angst um, dass es dann zu einer neuen Emerging- Markets-Krise kommt.