„Ich bin mir nicht sicher, ob Euro-Bonds die Märkte langfristig beruhigen“

Frank Dornseifer

Frank Dornseifer

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DAS INVESTMENT.com: Braucht Europa Euro-Bonds?

Frank Dornseifer: Jetzt und auf absehbare Zeit definitiv nicht. Der langfristige Schaden, den sie anrichten würden, ist größer als der kurzfristige Nutzen, den sie bringen.

Schon in der Vergangenheit gab es keine hinreichenden Anreize für eine solide Haushaltspolitik in den europäischen Staaten. Bei der Einführung des Euro wurden insbesondere keine wirksamen Sanktionsmechanismen gegen Defizitsünder geschaffen, so dass die Maastricht-Kriterien niemanden wirklich interessierten. Erst die Finanz- und Kapitalmärkte haben diese Schwachstellen aufgedeckt.

Ich bin derzeit nicht davon überzeugt, dass die EU-Kommission und die europäischen Staaten wirklich aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben und daher im Zuge einer etwaigen Einführung von Euro-Bonds eine rigide Haushaltspolitik festschreiben sowie ein funktionierendes Sanktionsregime implementieren würden. Bei der Bekämpfung der Schuldenkrise fehlt bislang auch die Konsequenz.

DAS INVESTMENT.com: Welche Vor- oder Nachteile haben gemeinsame Schuldscheine?

Dornseifer: Der größte Nachteil ist meines Erachtens, dass Europa damit zur europäischen Schuldengemeinschaft wird. Und zwar bevor wir eine wirkliche Staatengemeinschaft sind. Die oben bereits genannten Versäumnisse bei der Schaffung des Euro sollten Warnung genug sein, ein weiteres Mal den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen.

Diverse Vorteile werden von den Befürwortern zwar ins Feld geführt, ich bin mir aber nicht sicher, ob diese am Ende die Märkte langfristig überzeugen und beruhigen. Schließlich sind viele Staaten wegen ihrer Haushaltslage angezählt.

Die Teilnehmer auf den Finanz- und Kapitalmärkten werden sich also auch bei der etwaigen Schaffung von Euro-Bonds nicht nur den Mantel anschauen, sondern auch das, was darin steckt. Euro-Bonds würden langfristig also nur dann überzeugen, wenn alle Staaten eine solide Haushaltspolitik vorweisen können.