„Immense Kosten“ Tsipras sieht keinen Hinauswurf aus Eurozone

Griechischer Ministerpräsident Alexis Tsipras. Foto: Getty Images

Griechischer Ministerpräsident Alexis Tsipras. Foto: Getty Images

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Am Montagabend versammelten sich 12.000 Menschen auf dem zentralen Syntagma-Platz in Athen und schwenkten Transparente mit der Aufschrift „Unsere Leben gehören nicht den Gläubigern“. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras erklärte gegenüber dem Fernsehsender ERT TV, europäische Politiker würden es nicht wagen, Griechenland hinauszuwerfen. Gleichzeitig signalisierte ein Vertreter der Europäischen Zentralbank, es könne noch ein Weg gefunden werden, Griechenland im Euroraum zu halten - wenn die Wähler in dem für Sonntag angekündigten Referendum gegen Tsipras‘ Politik stimmen.

„Sie werden uns nicht aus der Eurozone hinauswerfen“, sagte Tsipras dem TV-Interview zufolge. Der Grund dafür seien die immensen Kosten, so der Ministerpräsident.

Griechenland dürfte die am 30. Juni fällige Rate an den Internationalen Währungsfonds in Höhe von 1,7 Milliarden Dollar nicht zahlen. Ab Mittwoch muss das Land außerdem ohne den Schutz des bis dato laufenden Hilfsprogramms der Europäischen Union auskommen.

Tsipras‘ Entscheidung, eine Volksabstimmung abzuhalten, erschütterte das Finanzsystem so heftig, dass Griechenland Kapitalverkehrskontrollen einführte, die den Zugang seiner Bürger zu ihren Ersparnissen bei inländischen Banken blockieren.

„Ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euroraum könne leider nicht länger ausgeschlossen werden“, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeuré gegenüber der französischen Zeitung Les Echos in einem am Montagabend veröffentlichten Interview. Es sei an den griechischen Wählern, ihr Schicksal zu verändern, so Coeuré. Wenn sie jetzt die Sparmaßnahmen akzeptieren, zu deren Bekämpfung sie Tsipras vor fünf Monaten gewählt haben, können sie ihre Euro-Mitgliedschaft bewahren. „Wenn sie zustimmen, habe ich keinen Zweifel, dass die Vertreter der Eurozone auf irgendeinem Weg die Mittel finden werden, ihre Zusagen einzuhalten.“

Tsipras hingegen hofft auf die Wut der Wähler, die seine Position stärken soll. Er geht davon aus, dass die Griechen mit „Nein“ stimmen können und dennoch im Euro bleiben werden. „Die Volksabstimmung wird unsere Position bei der Wiederaufnahme der Verhandlungen stärken“, erklärte er im Interview mit ERT TV. Je höher die Wahlbeteiligung und je mehr Menschen mit „Nein“ stimmten, desto stärker werde die griechische Verhandlungsposition, so Tsipras weiter.