Immobilien-Crowdinvesting Schwarmfinanzierer Zinsland in Nöten: Projektentwickler stellt Insolvenzantrag

Blick auf die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. Die Nach­frage nach Mikroa­part­ments in der Stadt ist hoch, doch nicht jedes Projekt wird erfolgreich abgeschlossen. | © Getty Images

Blick auf die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. Die Nach­frage nach Mikroa­part­ments in der Stadt ist hoch, doch nicht jedes Projekt wird erfolgreich abgeschlossen. Foto: Getty Images

Die bislang makellose Erfolgs­bilanz von Crowdfunding-Immobilien­projekten hat einen Kratzer bekommen, berichtet Stiftung Warentest. Bislang hätten alle Anbieter das Geld pünkt­lich oder sogar vorzeitig zurückgetzahlt. Doch am 8. September 2017 stellte die Projekt­entwick­lungs­gesell­schaft und ihre Mutter einen Insolvenz­antrag, die in der Friedrich-Karl-Straße 22 in Berlin-Tempelhof zwei Mikroa­part­menthäuser mit dem Namen Luvebelle bauen. Geld dafür hatten sich die Conrem-Ingenieure GmbH aus München von Anlegern auf der Internetplatt­form Zins­land geliehen. Bauherr war ihre Tochtergesellschaft Arplan Projektgesellschaft Alpha 1. Nun haben beide Gesellschaften sowie eine weitere Tochtergesellschaft der Conrem Insolvenz angemeldet.

Die Online-Plattform Zinsland hat seit ihrer Gründung im Jahr 2014 mehr als 25,5 Millionen Euro von knapp 3000 Privatanlegern eingeworben. Insgesamt wurden damit 32 Projekte mit 20 Projektentwicklern in Deutschland und Österreich mitfinanziert. Das Projekt in Berlin-Tempelhof haben bislang knapp 300 Investoren mitfinanziert, die sich mit insgesamt 1,25 Millionen Euro engagierten.

7 Prozent pro Jahr sollten die Schwarm­finanzierer bei Luvebelle bekommen. Berlin ist beliebt, die Nach­frage nach Mikroa­part­ments ist hoch. Conrem-Ingenieure sammelte vom 28. April bis 31. Mai 2016 von 274 Investoren eine halbe Million Euro ein und visierte die Rück­zahlung nach 18 Monaten für den 27. Oktober 2017 an, berichtet Stiftung Warentest. Vom 20. Juni bis 30. Juni 2017 lieh sich die Grund­stücks­eigentümerin Arplan 750 000 Euro von 12 Investoren im Rahmen eines „exklusiven Club-Deals“ für ihre Offerte unter dem Namen Luvebelle 2 für das gleiche Projekt und lockte sogar mit 9 Prozent Zinsen pro Jahr.

Es ist derzeit völlig offen, ob und wie viel die Anleger wiederbe­kommen, so Stiftung Warentest. Zudem sei es rätselhaft, wie es über­haupt so weit kommen konnte. Auch Zins­land.de-Gründer und Geschäfts­führer Carl von Stechow zeigte sich über­rascht. Ihn hatte Heinz Michael Groh – der die Geschäfte beider Projektgesell­schaften führt – erst nach einer Anfrage von Stiftung Warentest informiert: „Wir sind in Gesprächen und setzen uns dafür ein, dass die Anträge zurück­genommen werden.“ Noch sei kein Insolvenzverfahren eröffnet worden.