Immobilien: „Geschlossene Fonds können Vorteile ausspielen“

Thomas Böcher, Paribus Capital

Thomas Böcher, Paribus Capital

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Euro-Rettung, Schuldenkrise, Rezession und Double Dip – die unsichere Marktlage liefert nicht nur reichlich Schlagzeilen, sondern spiegelt sich auch an den Börsen wider. Dax-Unternehmen verlieren an Marktwert und auch Anleihen sind nicht mehr der sichere Hafen, als der sie lange Jahre galten. Viele Industriestaaten kämpfen mit ihren Schulden und weitere Abstufungen durch internationale Rating-Agenturen drohen. Das Zinsniveau bewegt sich auf einem Rekordtief. Angesichts dieser Entwicklungen richten Anleger verstärkt den Blick auf die Kapitalanlage in Immobilien. Als Sachwert sollen sie nicht nur Schutz gegen Inflation sein, sondern auch eine hohe Einnahmesicherheit bieten. Doch welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit die Immobilie ihrer Rolle in einem ausgewogenen Anlegerportfolio gerecht werden kann?

Risikostreuung und Liquidität geben den Ausschlag

Anlegern, die abseits der Börse in Immobilien investieren möchten, bieten sich grundsätzlich drei Möglichkeiten: eine Direktinvestition, ein offener oder ein geschlossener Immobilienfonds. Für den Eigenbedarf ist in der Regel der Kauf einer Wohnimmobilie sinnvoll. Beim Erwerb einer Immobilie als reine Kapitalanlage sind die Risiken jedoch meist höher als die Chancen. Der Verwaltungsaufwand ist hoch und künftige Instandhaltungskosten sind nur schwer abzuschätzen. Da die meisten Anleger zudem nicht über genügend Vermögen verfügen, um sich ein breit gestreutes Wohnungsportfolio aufzubauen, können sie das Risiko nicht ausreichend streuen. Hinzu kommt, dass attraktive Gewerbeobjekte für die meisten Privatanleger als Direktinvestment nicht finanzierbar sind.

Eine breitere Risikostreuung bieten offene Immobilienfonds. Allerdings weiß der Anleger meistens nicht, in welche Objekte sein Geld fließt, beziehungsweise hat er keine Möglichkeit, über Käufe und Verkäufe mitzubestimmen. Ein wesentliches Argument für offene Immobilienfonds, ihre tägliche Handelbarkeit, gilt längst nicht mehr uneingeschränkt. Die vorübergehende Schließung einer Reihe von Fonds hat letztlich gezeigt, dass Immobilien eine Langfristanlage sind. Die suggerierte jederzeitige Verfügbarkeit ist nur zu Lasten der Investitionsquote möglich, da ausreichend Liquidität vorgehalten werden muss. Geben viele Anleger ihre Anteile zurück, müssen Immobilien veräußert werden, egal ob die Marktlage einen attraktiven Verkauf zulässt.