Immobilien-Käufer bangen um ihr Geld Prora-Investor meldet Insolvenz an

Block 2 des Gebäudekomplexes in Prora: Im Binzer Ortsteil planten die Nationalsozialisten einst einen gigantischen Urlaubsort für 20.000 Gäste. | © Getty Images

Block 2 des Gebäudekomplexes in Prora: Im Binzer Ortsteil planten die Nationalsozialisten einst einen gigantischen Urlaubsort für 20.000 Gäste. Foto: Getty Images

Der Inhaber von Block 1 der riesigen Gebäudeanlage auf Prora – Ortsteil von Binz auf der Insel Rügen – hat Insolvenz beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg angemeldet, wie die „Ostsee-Zeitung“ zuerst berichtete. Die Wohnen in Prora Vermögensverwaltungsgesellschaft ist eine Tochtergesellschaft des Berliner Projektentwicklers und Immobilieninvestors Irisgerd und verantwortet seit vier Jahren die Sanierung der rund 450 Meter langen Häuseranlage, um 280 Eigentumswohnungen in direkter Lage an der Ostseeküste zu bauen.

Dem Bericht zufolge sind die Arbeiten bereits zu 90 Prozent abgeschlossen und ein Großteil der Wohnungen verkauft. Grund der Antragsstellung sei die fehlende Verlängerung des Bankdarlehens, so Geschäftsführerin Iris Hegerich gegenüber der „Ostsee-Zeitung“. Die Bauzeit habe länger gedauert als geplant, verbunden mit Mehrkosten. Hegerich und ihr Geschäftspartner Gerd Grochowiak sollen Millionen an Verbindlichkeiten belasten, heißt es im Bericht. Es ist unklar, wie es mit dem Projekt nun weitergeht.

Zudem soll es dem Bericht zufolge ein paar Käufer geben, die bereits Geld eingezahlt haben, aber noch nicht die offiziellen Eigentümer sind. Sie fühlen sich hintergangen. In einem Fall seien Konsequenzen angedroht worden, sollte das Geld nicht wieder auftauchen. Hegerich nahm zu diesen Vorwürfen nicht konkret Stellung. Die Investorin hofft in den zwei bis drei Monaten bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens darauf, dass die restlichen Arbeiten auf der Anlage noch abgeschlossen werden können.

Der gigantische Gebäudekomplex in Prora mit einer Gesamtlänge von 4,5 Kilometern geht auf Pläne der Nationalsozialisten zurück, ein Urlaubszentrum für bis zu 20.000 Gäste gleichzeitig zu errichten. Das sogenannte KdF-Seebad (Kraft durch Freude) blieb jedoch aufgrund des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs unvollendet und wurde nach Kriegsende viele Jahre militärisch genutzt. In den vergangenen Jahren sind vier der fünf Blöcke an Investoren verkauft worden, einige Teile der Anlage sind bereits seit einiger Zeit bewohnt oder werden als Ferienwohnungen vermietet.