In alle Anleihesegmente investieren „Steigende Zinsen? Kein Problem“

Michael Hanak, Vorstandsmitglied von Ariqon Asset Management

Michael Hanak, Vorstandsmitglied von Ariqon Asset Management

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DAS INVESTMENT.com: Ist der Bondmarkt für quantitative Strategen gut geeignet?

Michael Hanak:
Ja. Am Anleihemarkt sind die Kursschwankungen niedriger als am Aktienmarkt. Plötzliche heftige Kurseinbrüche sind selten, dafür sind die Trends langfristiger und ausgeprägter. Für uns hat der Rentenmarkt aber noch einen großen Vorteil: Er ist sehr heterogen.

Und das nutzen Sie aus.

Ja. Wir haben mit dem Fonds 2004 eine Idee umgesetzt, die erst heute richtig en vogue ist: das sogenannte Unconstrained-Bond-Management. Das heißt, wir können mit dem Ariqon Konservativ in alle Anleihesegmente weltweit investieren. Der Vorteil ist, dass wir in jeder Phase des Marktzyklus Bondsegmente finden, die sich positiv entwickeln.

Zudem können wir unsere Investitionsquote auch auf null herunterfahren und vollständig in den Geldmarkt gehen oder auf Short-Produkte setzen. Aus diesem Grund sind auch steigende Zinsen für uns kein Problem.

Wie genau funktioniert das?

In den ersten Schritten unseres Investmentprozesses führt unser computergestütztes Modell eine absolute und eine relative Trendanalyse der einzelnen Anleihesegmente durch. Das System analysiert das Momentum der Bondbereiche und sagt uns, wo die Ampeln derzeit auf Grün stehen und wo nicht – also, ob wir in ein Marktsegment einsteigen oder es besser verlassen sollen.

Und wie funktioniert die Allokation?


Dafür ist zum einen das Momentum und dessen aktuelle Stärke entscheidend, zum anderen die Volatilität der Bondsegmente. Unser Ziel ist, dass die Volatilität unseres Portfolios die Schwankungsstärke von Bundesanleihen nicht überschreitet. So können wir, auch wenn unser System nur hoch verzinste Corporate Bonds empfiehlt, gar nicht zu 100 Prozent dort investieren. Das heißt, unsere Investitionsquoten in den einzelnen Anleiheklassen wählen wir so, dass die Wertschwankung des Portfolios die vorgegebene Grenze nicht überschreitet. Als Basis dient uns dafür die längerfristige historische Volatilität.

Wie reduzieren Sie das Risiko zusätzlich?

Wir arbeiten mit Stopp-loss-Kursen. Die Zielmarke für Verluste liegt bei maximal 3 Prozent. Das ermöglicht es uns, auch in risikoreicheren Anlagen wie Emerging-Market-Bonds größere Positionen einzugehen, wenn es angezeigt ist.

Gab es auch schon Rückschläge?

Ja, doch seit der Auflage 2004 hatten wir nur ein negatives Jahr, nämlich 2011. Insgesamt liegen wir mit dem Fonds im Soll. Seit Auflage beträgt die durchschnittliche Rendite über 5,2 Prozent, und das bei einer Volatilität von nur 2 Prozent. Man muss beachten: Grundsätzlich funktionieren quantitative Ansätze am besten, wenn der Markt klare Trends aufweist. Ist das nicht der Fall, wird es sehr mühsam.

2011 war genau so ein Jahr. Es war der Höhepunkt der Staatsschuldenkrise in der Eurozone, und die Anleihemärkte wurden vor allem von politischen Äußerungen mal in die eine, mal in die andere Richtung getrieben.