„In der zweiten Jahreshälfte kommt die Inflation zurück“

Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assénagon

Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assénagon

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Das Inflationsklima hat sich verändert. Bis Mitte des Jahres schien die Welt noch in Ordnung. Die Preissteigerungsrate ging fast überall auf dem Globus zurück. In Europa verringerte sie sich von 2,8 Prozent zu Jahresbeginn auf 2,4 Prozent. Anfang Juli senkte die Europäische Zentralbank die Leitzinsen und betonte ausdrücklich, dass sich nach ihrer Einschätzung der Rückgang der Inflationsrate fortsetzen werde und diese im kommenden Jahr unter 2 Prozent liegen werde. 

Und jetzt wird alles anders kommen. Im Laufe des Juni hat sich die Situation gedreht. An den Märkten ist zwar noch alles ruhig. Auch die Zahlen, die nächste Woche zu den Verbraucherpreisen veröffentlicht werden, werden noch keine große Veränderung zeigen. Aber es ist absehbar, dass sich das Bild ändert.   

Was ist passiert?

Es begann Anfang Juni damit, dass die Preise für Weizen und Mais in die Höhe schossen, als klar wurde, dass durch die Dürre in den USA ein Großteil der Ernte vernichtet würde. Auch in anderen Gegenden soll es mit der Ernte Probleme geben. Mais ist auf den Weltmärkten jetzt 52 Prozent teurer als vor sechs Wochen, Weizen 44 Prozent.   

Nur wenige Tage später ist der Ölpreis nach oben in Bewegung gekommen. Zuerst hing das mit dem Streik der norwegischen Ölarbeiter zusammen. Inzwischen hat es aber eine Eigendynamik bekommen. Nordseeöl Brent kostet heute 15 Prozent mehr als Mitte Juni. Das wirkt sich schon jetzt an den Tankstellen aus, zumal es mit der Urlaubssaison zusammenfällt.  

Ab Anfang Juli ist dann der Euro auf den Devisenmärkten abgesackt. Gegenüber dem US-Dollar hat er sich seitdem um 4 Prozent abgewertet, gegenüber anderen wichtigen Währungen der Welt um 3 Prozent. Das sieht relativ wenig aus. Es bedeutet aber, dass zum Beispiel ein Liter Superbenzin allein dadurch mehr als 5 Cent teurer wird.

Inflationäre Tendenzen in Deutschland

Schließlich kommen noch Faktoren hinzu, die speziell für Deutschland relevant sind und sich schon lange abzeichneten. Die Löhne steigen in diesem Jahr schneller. Nach den Statistiken der Bundesbank liegen die Tariflöhne derzeit um 2,5 Prozent über dem Vorjahr, die Lohnstückkosten im produzierenden Gewerbe um gut 2 Prozent. In einigen Branchen sind die Steigerungen noch höher.

Im Zusammenhang mit der Energiewende werden die Strompreise angehoben werden. Positiv für die Inflation ist nur, dass das gesamtwirtschaftliche Wachstum gering ist. Preisüberwälzungsspielräume halten sich daher in Grenzen. Insgesamt wird die Inflationsrate in den nächsten Monaten nicht mehr nach unten gehen, sondern sich erhöhen, im Euroraum wieder in Richtung 3 Prozent.