Indexfonds ausgetrickst Dadurch können sich die Kosten von ETFs verdreifachen

Standard & Poor's Zentrale in New York. Foto: Getty Images

Standard & Poor's Zentrale in New York. Foto: Getty Images

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Vor dem Hintergrund der ständig steigenden Beliebtheit von Indexfonds wirft das Index-Front-Running grundlegende Fragen auf. Dabei geht es um so genannte passive Anlagestrategien, um die Art, wie die Indizes zusammengestellt werden und um die Rolle, die die Fonds selbst bei der Steigerung der Kosten spielen. Einer Schätzung zufolge entgehen Investoren in Fonds, die den Standard & Poor‘s 500 Index abbilden, jährlich etwa 4,3 Milliarden Dollar (rund 3,9 Milliarden Euro) - eine Summe, die die Kosten solcher Investments verdoppeln oder sogar verdreifachen kann.

„Portfoliomanager sind sich dessen bewusst. Aber einige von ihnen sagen: ‚Meine Kunden verlangen einen Indexfonds, und den werde ich ihnen auf Teufel komm raus geben‘“, sagt Michael Rawson, Analyst bei Morningstar in Chicago. “Ja, man hat den Ertrag des Index erreicht, aber der Investor ist jetzt schlechter gestellt. Davon hört man nicht so viel.”

Diese missliche Lage verschärft sich täglich. Aktien- Indexfonds haben in den Vereinigten Staaten jedes Jahr seit 2006 Marktanteile hinzugewonnen. Das Anlagevermögen in passiven Aktienprodukten schwoll auf 3,7 Billionen Dollar an, was vor allem an zwei Entwicklungen lag: Erstens wurden Investments mit niedrigen Gebühren in Rentensparplänen immer beliebter, und zweitens machte der seit sechs Jahren währende Bullenmarkt es für Stock Pickers fast unmöglich, durch die Auswahl einzelner Aktien die Benchmark-Indizes zu schlagen.

Es mag verlockend sein, ausgebuffte Wall-Street-Händler zu bezichtigen, mit Otto Normalverbraucher auszunutzen. Doch einer der Hauptgründe für diese Form des Front-Running ist die Tatsache, dass Anbieter beliebter Benchmarks wie des S&P 500 die Änderungen an der Zusammensetzung ihrer Indizes normalerweise im Vorfeld bekanntgeben. Ein weiterer Grund ist der Zwang, dem die Manager passiver Fonds unterliegen, solche Leitindizes so genau wie möglich nachzubilden - selbst wenn potenzielle Erträge geopfert werden müssen.

Ein Beispiel bieten American Airlines Group, die nach Handelsschluss am 20. März in den S&P 500 aufstiegen. Die Aufnahme wurde vier Tage vorher angekündigt, was flinken Händlern ausreichend Zeit gab, den weniger leichtfüßigen Akteuren zuvorzukommen. Die American-Airlines-Aktie schoss in dem Zeitraum elf Prozent in die Höhe.