Indexfonds sind kein Allheilmittel Über die verhängnisvolle Liebe der ETF-Anleger

Plädiert stark für aktives Fondsmangement: Michael Klimek, Managing Partner bei Klimek Advisors Fund Consulting | © Klimek Advisors Fund Consulting

Plädiert stark für aktives Fondsmangement: Michael Klimek, Managing Partner bei Klimek Advisors Fund Consulting Foto: Klimek Advisors Fund Consulting

Wir alle waren schon mal verliebt. Die oder der Angebetete scheint wie perfekt für uns gemacht. Die Realität nehmen wir nur noch in rosarotem Licht wahr, und zur Liebeswonne trägt bei, wenn ob des Objektes unserer Begierde auch Freunde ins Schwärmen geraten. Gibt es schönere Zeiten im Leben? Seit geraumer Zeit bereits befinden sich ETF-Anleger in einem solchen Glückstaumel. Atemberaubend niedrige Gebühren, der feste Glaube daran, das Gros der aktiv verwalteten Fonds auf Dauer outzuperformen, und die ETF-Lobeshymnen, mit denen Verbraucherschützer zusätzlich romantische Stimmung aufkommen lassen, verheißen eine glückliche Zukunft. Leider jedoch hält nicht jede Liebe, wie ein Blick in bundesdeutsche Ehestatistiken vermuten lässt.

Stellen Sie sich vor, Sie wären Obsthändler. Wäre es da nicht überaus nützlich für Sie, wenn Ihre Kundschaft täglich Ihr komplettes Sortiment und nicht mehr je nach Gusto mal Äpfel, mal Birnen kaufen würde? Nie wieder unverkaufte Ware, auf der Sie, Opfer der Kauflaune Ihrer Kunden, sitzen blieben? Das einzige, das Sie noch tun müssten und für das Sie sich, sehr zu Ihrer Freude, zusätzlich bezahlen ließen, wäre das täglich neue Abwiegen der einzelnen Bestandteile der Obstpäckchen, deren Zusammensetzung praktischerweise identisch ist. Und als wäre das nicht Händlerglück genug, wird parallel in den Medien viel über Universitätsstudien berichtet, die besagen, dass Obst bewiesenermaßen nicht nur billiger, sondern auch besser als Marmelade sei. Liebe Obsthändler, um es kurz zu machen, schlagen Sie es sich aus dem Kopf: So ein Marketing-Coup gelingt nur Investmentbanken.

ETFs auf den Dax liefen ja ganz gut – bisher

Als Obstpäckchen in den Markt eingeführt, bilden ETFs einen bestimmten Aktien- oder Anleiheindex passiv und billig nach. In einem solchen Wertpapierkorb gibt es keine aktiven Wetten durch einen Vermögensverwalter, der damit vom gewählten Index, zum Beispiel dem Dax 30, abweicht – sei es „off benchmark“, also durch Hinzufügung eines Aktientitels, der nicht im Dax 30 enthalten ist, oder sei es durch eine Gewichtung der Indexkonstituenten, die sich von der Einzeltitelgewichtung im Dax 30 unterscheidet. Passives Investieren mit einem ETF eignet sich insbesondere für solche Anleger, die exakt zu jedem Moment (Stunde, Tag, Monat, Jahr) exakt dieselbe – gleich ob negative oder positive – Rendite, die im Index erzielt wurde, wünschen.

Nun mag es zunächst überraschen, dass ein solcher Topf überhaupt Deckel anzulocken vermag, aber: Da über sehr lange Sicht passives Investieren zum Beispiel mit einem Dax-30-ETF in der historischen Durchschnittsrendite des abgebildeten Index resultiert (bis dato ca. 7,5 Prozent p.a. für den Dax 30), ist die vergangene und in der Regel positive Langfrist-Durchschnittsrendite für viele Anleger zweifelsohne ein hinreichend attraktives Renditepotenzial. Dieser Kaufanreiz wird verstärkt, indem zugleich gegen aktive Vermögensverwaltung die Behauptung ins Feld geführt wird, Vermögensverwalter hätten in der Vergangenheit historische Durchschnittsrenditen trotz aktiven Managements und aufgrund der damit verbundenen Mehrkosten nicht erreicht.