Indien Emissions-Boom auf dem Börsenparkett

Indische Flagge: Der Aktienmarkt des Subkontinents erfreut sich regen Zuspruchs. | © Pexels

Indische Flagge: Der Aktienmarkt des Subkontinents erfreut sich regen Zuspruchs. Foto: Pexels

Die Börsengänge in Indien nehmen zu. Deutliche Überzeichnungen der Neuemissionen zeigen das starke Interesse der Investoren an Aktien, da die Renditen traditioneller Anlageklassen wie Real Estate oder Fixed Income derzeit stagnieren.

Finanzanlagen gefragt

Wir erleben derzeit einen regelrechten Run auf das indische Börsenparkett. Seit 2016 haben rund 50 indische Unternehmen ihre Börsennotierung aufgenommen. Unserer Ansicht nach ist diese Entwicklung auf mehrere Ursachen zurückzuführen. Historisch gesehen war die Sparquote der Haushalte in Indien schon immer relativ hoch (500 Milliarden US-Dollar). Allerdings war davon lediglich ein kleiner Teil in Finanzinstrumente investiert – ganz zu schweigen von Aktien.

Die Bargeldreform im November 2016 führte jedoch dazu, dass private Anleger und Unternehmen ihre Ersparnisse zunehmend in Finanzwerte investieren. Die Assetklassen Fixed Income und Real Estate standen hier von je her im Fokus – nicht zuletzt, weil beide über eine Dekade hinweg solide Renditen erwirtschafteten. Nun stagnieren diese im Bereich Real Estate in den meisten indischen Städten, und auch Benchmark-Anleihen sind in den letzten drei Jahren von 9 Prozent auf 6,4 Prozent gefallen. Diese Entwicklung führt bei Privatanlegern und Unternehmen gleichermaßen zu einer erhöhten Nachfrage nach Aktien.

Dadurch herrscht an den indischen Aktienmärkten, angetrieben durch die vorhandene Liquidität, eine spürbare Euphorie. Jene Situation versuchen derweil Unternehmen durch einen Börsengang für sich zu nutzen, um ihr Wachstum zu finanzieren oder ihre Bilanzen zu bereinigen. Diese Kombination spiegelt sich in einer deutlichen Überzeichnung der Börsenneulinge wider. So war das Wertpapier eines erst vor fünf Jahren gegründeten Bauunternehmens 186-fach überzeichnet – die höchste Überzeichnung in Indien seit dem Jahr 2000. In einem anderen Beispiel war die staatlich kontrollierte Wertpapiersammelbank Central Depository Services bei ihrem Börsengang mit einem Faktor von 170 überzeichnet und erfuhr zudem am ersten Handelstag einen Kursanstieg von 80 Prozent.

Indische Titel niedrig bewertet

Zudem werden indische Unternehmen trotz besserer Wachstumsraten im Vergleich zu internationalen Playern mit Geschäft in Indien, wie beispielsweise Unilever oder Nestlé, meist schlechter bewertet. Dies führt zu verhältnismäßig niedrigen Einstiegspreisen und das von Investorenseite daraus abgeleitete Renditepotenzial zu den hohen Überzeichnungen. Bullisch gestimmte Investoren würden wohl argumentieren, dass derzeit nur circa 10 Prozent der Ersparnisse seitens privater Haushalte in Aktien investiert sind.

Jedoch dürfen wir nicht vergessen, dass sich dieser Wert noch vor zwei Jahren bei 5 Prozent befand. Es gibt zwar durchaus Anzeichen dafür, dass sich dieser Trend zu einem strukturell langfristig höheren Investment in Aktien seitens privater Haushalte erhöhen wird, jedoch haben wir derzeit das Gefühl, dass die derzeitige Stimmung am indischen Aktienmarkt erwartet, dass sich der Anteil über Nacht sprunghaft erhöht. Diesen Enthusiasmus haben wir in der Vergangenheit schon an anderer Stelle gesehen und leider endete dies nie im Guten.“