Indien Unbemerkt auf der Überholspur

Eine E-Bike Fabrik in Samakhiali, Indien: Die „Make in India“-Kampagne soll Unternehmen dafür gewinnen, in Indien zu produzieren. (Foto: Getty Images)

Eine E-Bike Fabrik in Samakhiali, Indien: Die „Make in India“-Kampagne soll Unternehmen dafür gewinnen, in Indien zu produzieren. (Foto: Getty Images)

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Indien ist bereits jetzt nach Kaufkraftparität die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das Land ist derzeit bestrebt, das sehr hohe Zinsniveau zu drücken. Daher ist Inflation ein heißes Thema. Die Reserve Bank of India (RBI) scheut in der Regel davor zurück, bei hoher Inflation die Zinsen zu senken. Allerdings ist die Lage, was Indiens Inflation angeht, verwirrend.

Inflation oder Deflation?

Betrachtet man Indiens Großhandelspreisindex (WPI), so scheint es, dass das Land eine Deflation erlebt. Im September 2015 notierte der Index bei ?4,54 Prozent. Dagegen verzeichnete der Verbraucherpreisindex (VPI) mit +4,41 Prozent im September 2015 eine Inflation. Diese Kluft gibt jedem zu denken, der sich auf die Inflationszahlen – und deren mögliche Marktauswirkungen – einen Reim zu machen versucht.

Mitglieder der indischen Regierung sowie einige prominente Wirtschaftskapitäne haben sich über die hohen Zinsen beschwert. Raghuram Rajan, der Gouverneur der RBI, zögerte jedoch, die Zinsen zu schnell und zu stark zu senken. Am 29. September gab die RBI dann schließlich nach und senkte ihren Leitzins zum vierten Mal in diesem Jahr auf nunmehr 6,75 Prozent.

In ihrer amtlichen Erklärung führte die RBI Abwärtsrisiken für das Wachstum sowie den Rückgang des Headline-VPI an. Dieser notierte im August auf dem niedrigsten Stand seit November 2014. Die RBI hat allerdings auch angemerkt, dass die Inflation noch ein paar Monate lang weiter steigen dürfte, da sich bei einigen günstigen Effekten eine Umkehr andeutet.

Rückläufige Trends bei Inflationsindizes stützen Aktienmarkt

Ich denke, dass die RBI im Hinblick auf weitere Zinssenkungen vorsichtig bleiben wird. Sehr viel wird von der Binneninflation abhängen, aber auch davon, ob das Wirtschaftswachstum zulegt oder nachlässt.
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Seit 2013 sind sowohl die Verbraucher- als auch die Großhandelspreise in Indien deutlich zurückgegangen. Dabei konzentriert sich der Großhandelspreisindex WPI auf die Preise für handelbare Güter wie Kraftstoffe und Stahl. Deren Preise sind auf den internationalen Märkten dramatisch gefallen. Der Verbraucherpreisindex ist dagegen auf Lebensmittel, Getränke, Wohnungen, Versorgungseinrichtungen und Kleidung ausgerichtet. Hier wirken sich die internationalen Rohstoffpreisbewegungen kurzfristig weniger stark aus.

Die Debatte geht weiter, doch der rückläufige Trend bei beiden Inflationsindizes verheißt Gutes für die indischen Zinssätze. Wir denken, dass das den indischen Aktienmarkt stützen dürfte – jedenfalls solange es keine unerwarteten externen Schocks gibt.