Indische Aktien Warum es kein guter Zeitpunkt ist, jetzt die Bremse zu ziehen

Bekleidungsgeschäft im indischen Bundesstaat Punjab: Indiens Verbraucher werden anspruchsvoller | © Getty Images

Bekleidungsgeschäft im indischen Bundesstaat Punjab: Indiens Verbraucher werden anspruchsvoller Foto: Getty Images

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Indische Aktien haben gegenüber ihren Höchstständen zu Beginn des Jahres wieder nachgegeben. Einige Anleger könnten nun besorgt sein. Tatsächlich gibt es Gründe, hinsichtlich der Aussichten für indische Aktien skeptisch zu sein. Wir sind jedoch nach wie vor entschieden zuversichtlich – was in erster Linie den überzeugenden Wachstumsaussichten Indiens zuzuschreiben ist. Für die Jahre 2018 bis 2022 rechnet der jüngste OECD-Wirtschaftsausblick für Indien aus dem November 2017 mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 7,3 Prozent, was darauf hindeutet, dass es keinerlei Anzeichen für eine Abkühlung des Wachstums gibt.

Die indische Wirtschaft dürfte in der Lage sein, die Auswirkungen des jüngsten Abverkaufs an den globalen Aktienmärkten, die Einführung der Steuer auf Waren und Dienstleistungen (GST) im Jahr 2017 und die Ende 2016 durchgeführte Geldentwertung wegzustecken. Die von der Politik in Gang gesetzten Entwicklungen in Indien hatten vorübergehende Auswirkungen auf liquiditätsintensive Branchen und Lieferketten gehabt – insbesondere auf kleine Händler, die größere Fertigungsunternehmen beliefern und Schwierigkeiten hatten, den hiermit verbundenen Verwaltungsaufwand zu bewältigen.

Da diese Effekte aller Wahrscheinlichkeit nach jedoch abklingen dürften, besteht weiterer Spielraum für eine potenzielle Aufwertung indischer Aktien. Auch wenn der Abverkauf an den globalen Aktienmärkten und der Skandal bei der Punjab National Bank (PNB) einen gewissen Kapitalabfluss verursacht haben, dürfte das günstige demografische Umfeld in Indien weiteres Wachstum am Aktienmarkt nach sich ziehen, insbesondere bei Large Cap-Aktien.

Wachsende Mittelschicht fragt verstärkt Kredite nach

Die inländische Nachfrage macht inzwischen den größten Teil der indischen Wirtschaft aus. Bestimmt wird sie in erster Linie von der wachsenden Mittelschicht. Dies ist nicht das erste Mal, dass wir den Aufstieg der Mittelschicht in den Fokus rücken – und es wird sicherlich auch nicht das letzte Mal sein.

Günstige makroökonomische und demografische Faktoren sollten zu Einkommenswachstum führen, was wiederum die inländische Nachfrage weiter ankurbeln dürfte. Zudem ist zu erwarten, dass auch die Ersparnisse zunehmen. Wir gehen davon aus, dass Unternehmen im Sektor zyklische Konsumgüter von der wachsenden Mittelschicht Indiens profitieren werden, da die Menschen zunehmend bestrebt sein werden, höherwertige Güter wie Autos, Schmuck und Designerkleidung zu kaufen. Im Zuge steigender verfügbarer Einkommen könnte auch eine Aufwertung nicht essenzieller Güter für die Verbraucher wichtiger werden, was sich beispielsweise bei Klimaanlagen und elektronischen Geräten bemerkbar machen sollte.

Angesichts der steigenden Einkommen in der wachsenden Mittelschicht des Landes rechnen wir mit einer zunehmenden Nachfrage nach Krediten und Investmentleistungen. Hierdurch sollten sich potenzielle Anlagechancen bei Banken des privaten Sektors ergeben, die auf Leistungen für Privatkunden ausgerichtet sind. Die öffentlichen Banken haben sich zuletzt auf eine Verbesserung ihrer Vermögensqualität konzentriert, was ihre Konkurrenzfähigkeit im Privatkundengeschäft verringert hat.

Während die staatlichen Banken mit ihrer hohen Verschuldung und dem Skandal um die Punjab National Bank (PNB) zu kämpfen haben, sind die Schwächen im Management staatseigener Banken deutlich zu Tage getreten. Aus unserer Sicht hat es noch keine konkreten Verbesserungen bei öffentlichen Banken gegeben – was ihren Verlust von Marktanteilen zugunsten von Banken des privaten Sektors beschleunigen sollte. Anleger erkennen jedoch zunehmend, dass stärkere Bilanzen und die Einführung fortschrittlicher Technologie Privatbanken dabei helfen könnten, einen noch größeren Anteil des Marktes zu erobern.